Paukenschlag in Planica

Nach öffentlicher Kritik: Gorazd Bertoncelj tritt als slowenischer Cheftrainer zurück

Foto: imago / GEPA

Paukenschlag bei der Skiflug-WM: Gorazd Bertoncelj tritt nach öffentlicher Kritik von Timi Zajc mit sofortiger Wirkung als Cheftrainer der slowenischen Skispringer zurück.

Keine 24 Stunden nach dem enttäuschenden Start der Skiflug-WM und der öffentlichen Kritik von Timi Zajc tritt der slowenische Cheftrainer zurück. Der ehemalige Skispringer Robert Hrgota, bisheriger Assistent von Bertoncelj, soll interimsmäßig die Aufgaben während der Skiflug-WM übernehmen.

Wie es danach weitergeht, ist noch völlig offen. Ljubo Jasnic, der beim slowenischen Verband das Skispringen und die Nordische Kombination verantwortet, erklärte, dass Bertoncelj seinen Rücktritt selbst angeboten und er diesen akzeptiert habe. „Es ist schwer für mich, dass das in Planica passiert. Aber manchmal muss man sich entscheiden und wir haben eine Entscheidung getroffen“, sagte Jasnic bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Timi Zajc vom Verband suspendiert

Doch der Reihe nach: Zunächst wurde Timi Zajc vom slowenischen Verband suspendiert, nachdem er am Freitag nach einem enttäuschenden Abschneiden der Slowenen zum Auftakt der Skiflug-WM den Nationaltrainer scharf kritisiert hat. „Traurigerweise ist heute alles in sich zusammengebrochen. Ich habe den ganzen Sommer über trainiert, um über die letzte Linie hinaus zu fliegen. Ich denke, dass die Trainer einen Großteil der Verantwortung dafür auf sich nehmen müssen“, erklärte der 20-Jährige am Freitagabend via Instagram.

Mit Domen Prevc und Tilen Bartol markierten gleich zwei seiner Teamkollegen den Post mit einem Like, ebenso Routinier und TV-Experte Jernej Damjan

Der slowenische Verband begründete die Suspendierung mit Disziplinarregeln, an die sich der jüngste Skispringer der slowenischen Nationalmannschaft nicht gehalten habe. Damit hat der Verband sogar den Ausschluss von der Team-Entscheidung am Sonntag riskiert: Weil die Ersatzspringer Peter Prevc und Ziga Jelar am Freitag als Vorspringer eingesetzt wurden, ist eine Nominierung für das Mannschaftsspringen aufgrund der Corona-Maßnahmen eigentlich nicht möglich.

Nach Auffassung des Internationalen Skiverbandes (FIS) hätten sie mit dem Einsatz als Vorspringer die „Blase“ der Athleten verlassen. Inzwischen hat die FIS aber eine Ausnahme gestattet – und so wird Peter Prevc am Sonntag den Platz von Timi Zajc einnehmen.

Ära Bertoncelj endet nach zweieinhalb Jahren

Seit Bertonceljs Amtsantritt im März 2018 erzielte Timi Zajc mit sechs Podestplätzen die meisten im Team, zudem war er mit Platz neun und 14 der beste Slowene im Gesamtweltcup. Peter Prevc kam nach seinem Sieg im Gesamtweltcup in der Saison 2015/2016 gerade einmal auf fünf Top-3-Ergebnisse.

Auch in den Mannschaftsspringen blieben die Slowenen unter den Erwartungen: Unter Bertonceljs Regie mit sechs Podiumsplätzen (ein Sieg, ein zweiter und vier dritte Plätze) deutlich unter den Erwartungen. Der Trainer, der seinerzeit die Nachfolge von Goran Janus angetreten hatte, wurde von Beginn an von den skisprungbegeisterten Slowenen und der Presse aufgrund seines zurückhaltenden und wenig temperamentvollen Auftretens kritisch gesehen.

Auch interessant: Auch bei der Skiflug-WM bleiben die Skispringer von Corona nicht verschont. Die schweizerischen Skispringer sind bereits abgereist, weil es innerhalb der Mannschaft einen positiven Test gab.

Über Marco Ries 709 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

10 Kommentare

  1. Dass man jemanden wegen so einer Aussage suspendiert sagt alles. Der angesprochene Trainer könnte ja dazu was sagen anstatt abzuhauen. Da bin ich auf der Seite der Sportler.

  2. Aha, der Trainer ist schuld, wenn ich scheiße springe. Ist in etwa wie mit dem Bauern der nicht schwimmen kann. Bei dem war nämlich auch die Badehose schuld.

  3. Im slowenischen Skiverband sitzen schon Jahrzenten die Leute auf gut bezahlten Posten privilegierte Leute die durch komunistische Partei oder ihrer Nacfolger ernannt wurden, die durch eventuelle gute Ergebnisse der Skispringer eine Werbung für die Linken erwarten. Der Träner sielt sehr kleine Rolle, er muss doch von denen abhängig sein.

    • Ihr Narrativ passt nicht zu Goran Janus, einem charismatischen Trainer. Es gab einfach erst mal keinen geeigneten Nachfolger. Ob man Erfolge slovenischer Springer dem schönen Land Slovenien oder ‚den Linken‘ zurechnet, ist Geschmackssache.

    • In Slowenien gibt es seit 30 Jahren keine Kommunisten. Bitte, machen Sie kein Politikum nun auch dort, wo es um Sport geht. Sportliches Verhalten hat andere Attribute als das, was Sie hier vorführen. Ich wünsche allen Skiflug-Liebhabern eine unterhaltsame WM, den Fliegern geglückte Sprünge und ein sicheres Landen.

  4. Enttäuschend und extrem bitter für alle Beteiligten. Und wie kommt man auf die Idee, Peter Prevc als Vorspringer einzusetzen? Unbegreiflich.

  5. Schlimmer als im Fußball. Sowas kann der Mannschaft nicht gut tun. Ich Denke nicht nur die Skiflug-WM sondern die Saison ist damit gelaufen für die Slowenen.

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