Top-Favorit feiert Sieg

Domen Prevc fliegt zu Olympia-Gold! DSV-Skispringer auf der Großschanze abgeschlagen

Foto: imago / GEPA

Domen Prevc wird seiner Favoritenrolle bei der Olympia-Entscheidung auf der Großschanze gerecht: Nach dem ersten Durchgang noch Zweiter, fliegt der Slowene im Finale zur Goldmedaille. Die deutschen Skispringer können in den Medaillenkampf nicht eingreifen.

Mit Sprüngen auf 138,5 und 141,5 Meter sicherte sich Domen Prevc den Olympiasieg auf der Normalschanze. Der slowenische Gesamtweltcup-Führende erzielte am Samstagabend bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo insgesamt 301,8 Punkte und setzte sich damit gegen Ren Nikaido aus Japan durch, der sich mit 140 und 136,5 Metern (295 P.) Silber sicherte. Die Bronzemedaille ging an den Polen Kacper Tomasiak, der auf 133 und 138,5 Meter (291,2 P.) kam.

Prevc zieht im Finale an Nikaido vorbei

Die Entscheidung auf der großen Anlage entwickelte sich zu einem nervenaufreibenden Krimi, bei dem die Vorzeichen nach dem ersten Durchgang zunächst gegen den großen Favoriten sprachen: Ren Nikaido, der bereits auf der Normalschanze mit Bronze überzeugt hatte, setzte die Konkurrenz gewaltig unter Druck. Zur Halbzeit lag der Japaner mit einem komfortablen Vorsprung von sieben Punkten vor Domen Prevc und weckte Hoffnungen auf eine Sensation.

Im Finaldurchgang eröffnete dann Kacper Tomasiak die Jagd auf die Medaillen, verdrängte mit 128,5 Metern den Norweger Kristoffer Eriksen Sundal, der nach dem ersten Durchgang noch auf dem Bronzerang gelegen hatte.

Domen Prevc hielt dem enormen Druck stand und zeigte im entscheidenden Moment seine ganze Klasse. Er segelte gleich fünf Meter weiter als sein japanischer Kontrahent und ließ keinen Zweifel an seinem Anspruch auf den Titel aufkommen. Damit korrigierte der Slowene das Ergebnis der Normalschanze, wo er noch überraschend ohne Medaille geblieben war.

Prevc jagt historischen Nykänen-Rekord

Mit diesem Erfolg schreibt der 26-Jährige Geschichte und sichert Slowenien den ersten Olympiasieg im Skispringen überhaupt. Es ist der krönende Abschluss einer Ausnahmesaison, in der Prevc bereits die Vierschanzentournee und die Skiflug-WM für sich entscheiden konnte.

Es könnte eine historische Saison werden: Mit seinem Olympiasieg hat Prevc nun beste Aussichten, die „Big Five“ (Olympia, WM, Vierschanzentournee, Skiflug-WM und Gesamtweltcup) im Rekordtempo zu gewinnen – ein Kunststück, das zuvor nur Matti Nykänen in seiner Karriere erreichte. Nur der Gesamtweltcup fehlt ihm noch.

Zu langsam: Raimund muss Ski wechseln

Die deutschen Skispringer waren fünf Tage nach dem sensationellen Olympiasieg von Philipp Raimund auf der Normalschanze im Kampf um die Medaillen diesmal nur Nebendarsteller. Bei zu Beginn des Wettkampfes strömendem Regen hatte vor allem Raimund zunächst im Probedurchgang noch mit der Anlaufgeschwindigkeit zu kämpfen – die verbesserte sich erst mit einem Wechsel im Wettkampf.

„Ich habe meinen gewohnten Ski wechseln müssen auf einen anderen, aber der ist eine Nuance träger. Im ersten Sprung hat es mich voll nach vorne geschmissen, der zweite Sprung war besser. Aber wenn man nicht mit dem gewohnten Setup springt, ist es ein bisschen schwieriger“, erklärte Raimund im Anschluss. Mit 131 und 136 Metern war er erneut bester Deutscher, kam aber nicht über den neunten Platz hinaus: „Die Enttäuschung ist schon ein bisschen da. Ich habe gewusst, für die Medaille wird es hart, weil Ren, Jan und Domen gezeigt haben, dass sie besser zurecht kommen. Aber dass es mir so reinfährt, hätte ich nicht so erwartet.“

Wellinger bietet sich fürs Super-Team an

Zweitbester Deutscher war Andreas Wellinger, der nach 127 und 127,5 Metern den 15. Platz belegt hat. Für das abschließende Super-Team am Sonntag mit nur zwei Athleten je Nation dürfte der Ruhpoldinger damit gesetzt sein – auch weil sich Felix Hoffmann weiterhin nicht mit der Schanzenanlage anfreunden konnte und mit Platz 25 noch hinter Teamkollege Pius Paschke (24.) landete.

Österreich weiter ohne Olympia-Medaille

Alles andere als rund läuft es weiterhin für Team Österreich, das denkbar unglücklich in den Wettkampf gestartet ist: Allen voran Stefan Kraft sprang seiner gewohnten Form meilenweit hinterher und verpasste nach Platz 36 den Finaldurchgang. Danach wurde auch noch Daniel Tschofenig disqualifiziert – seine Sprungschuhe waren vier Millimeter zu groß. „Ich habe einen neuen Schuh im Training genommen, war eigentlich auch gar nicht so happy mit dem, aber bin dabei geblieben. Leider war ich naiv und habe nicht nachgemessen“, erklärte er seinen Fauxpas.

Bester Springer der Alpenrepublik war Jan Hörl, der aber auch nicht an seine starken Leistungen aus dem Training anknüpfen konnte und mit 134,5 und 136 Metern „nur“ Fünfter wurde. Das Team von Cheftrainer Andreas Widhölzl steht damit weiterhin ohne Olympia-Medaille da – angesichts der starken Vorleistungen ein kleines Debakel.

» Event-Übersicht: Zeitplan & Infos zu den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina

Schon im ersten Durchgang musste die Alpenrepublik außerdem die erste Disqualifikation der Titelkämpfe in Italien hinnehmen: Daniel Tschofenig wurde wegen um vier Millimeter zu großer Sprungschuhe aus dem Rennen genommen.

Letzter verbliebener Olympia-Wettbewerb ist für die Männer am Montag um 19 Uhr (live bei skispringen.com) das neue Super-Team-Format, das erstmals bei Olympischen Winterspielen ausgetragen wird – dann treten zwei Athleten je Nation in drei Wertungsdurchgängen gegeneinander an. Zuvor findet am Sonntag ab 18:45 Uhr noch das Großschanzen-Einzel der Frauen statt.

Mehr dazu gleich hier bei skispringen.com.

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Über Marco Ries 990 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

7 Kommentare

  1. Es wurden doch zwei japanische Flaggen gehisst und dann nur noch in Großaufnahme die slowenische Fahne gezeigt. Domen hat bei der Hymne und dem Blick auf die Flaggen auch total irritiert geschaut. Danach gab es auch Buh-Rufe aus dem Publikum.

  2. Absichtlich einen größeren Schuh zu springen, ist für mich Betrug von Daniel. Also keine Kommentare mehr gegen Norwegen. jeder weis es wird scharf kontrolliert. Die Ösis können nicht verlieren, das war schon immer so. Die Blamage für die Össis bei dieser Olympiade ist perfekt keine Einzelmedaille, keine Medaille im Mixwettkampf beim Höhepunkt.

  3. Oh Mann, seit drei Jahren dasselbe Problem, dass wir es auf der Großschanze nicht gebacken kriegen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Warum experimentiert man im Probedurchgang mit Skien und hat keinen Speed und ist verunsichert, warum wird das 3. Training bei Raimund ausgelassen. Unter Schuster gab’s dieses Problem mit der Großschanze nicht. Respekt an Tomasiak und Prevc, starke Leistung

    • Vielleicht hat man das Training ausgelassen, da ja auch die Springer manchmal eine kleine Pause brauchen.

      Aber Glückwunsch an alle drei Medaillengewinner.

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