Ehemaliger Co-Trainer

Schwere Vorwürfe! Thomas Lobben spricht erstmals über norwegischen Betrugsskandal

Foto: imago / GEPA

Im norwegischen Fernsehen spricht Thomas Lobben erstmals ausführlich über den norwegischen WM-Betrugsskandal. Der ehemalige Co-Trainer erhebt schwere Vorwürfe gegen die FIS und Renndirektor Pertile.

Fast ein Jahr nach dem Manipulationsskandal bei der Nordischen Ski-WM in Trondheim hat der ehemalige Co-Trainer Thomas Lobben beim norwegischen Fernsehsender ‚TV2‘ erstmals umfassend über die Geschehnisse gesprochen.

Lobben, der vom Internationalen Skiverband (FIS) zusammen mit Magnus Brevig und Adrian Livelten für 18 Monate gesperrt worden ist, zeichnete dabei das Bild einer Sportart, in der das Ausreizen der Regeln zum Alltag gehöre – und in der die FIS-Führung am Tag des Skandals eine zweifelhafte Rolle gespielt haben soll.

„Wir vermuteten, dass andere Nationen etwas Ähnliches gemacht haben“

Die Manipulationen an den Anzügen von Marius Lindvik und Johann Andree Forfang seien laut Lobben erst am Vorabend des WM-Wettkampfes erstmals umgesetzt worden. Der Grund für diesen riskanten Schritt sei der enorme Erfolgsdruck und der Verdacht gegen die Konkurrenz gewesen. „Wir hatten das über längere Zeit diskutiert. Es kursierten Gerüchte, und wir vermuteten, dass andere Nationen schon früher etwas Ähnliches gemacht haben“, gab Lobben zu Protokoll. Er habe den Eindruck gehabt, dass die Kontrolleure oft „lieber nichts wissen wollten“.

Das Video, das durch einen Spalt gefilmt und dann erst unter den Mannschaften und später im Internet die Runde gemacht hat, sei noch vor Wettkampfstart auch bei FIS-Renndirektor Sandro Pertile gelandet. Laut Lobbens Schilderung folgte daraufhin ein bizarres Versteckspiel: Schon am Vormittag des Wettkampftags seien Brevig und der Anzugschneider Livelten zum Rapport bestellt worden, doch nach einer physischen Kontrolle der Anzüge habe man zunächst grünes Licht für den Start erhalten.

Lobben zeigte sich überzeugt, dass die FIS die Manipulation bereits zu diesem Zeitpunkt hätte stoppen können: „Mit dem Video in der Hand, so glaube ich absolut, hätte jemand mit ein wenig Einblick in das Nähen von Sprunganzügen herausfinden müssen, dass etwas unregelmäßig war.“ Da die Anzüge jedoch offiziell abgenommen worden seien, habe sich das Team sicher gefühlt. Man habe sich an dem orientiert, was über Jahre praktiziert wurde – dem „gelebten Regelwerk“.

Nachdem Marius Lindvik im Finale zunächst zu Silber gesprungen war und andere Nationen Protest eingelegt haben, folgte die zweite Vorladung. Diesmal mussten die Norweger die Anzüge laut Lobben vor den Augen der FIS-Kontrolleure aufschneiden. „Es war einer der Kontrolleure, der sagte, dass wir die Anzüge auftrennen müssen“, schilderte er die Minuten in der Kontrollcontainer, bevor dann die Disqualifikation ausgesprochen wurde.

Schwere Vorwürfe gegen FIS und Pertile

Besonders schwer wiegen Lobbens Vorwürfe bezüglich eines Gesprächs nach dem Wettkampf. Vier Augenzeugen bestätigten laut ‚TV2‘, dass Sandro Pertile den Norwegern gegenüber zugegeben haben soll, man hätte die Springer nicht disqualifiziert, wenn das Video nicht öffentlich geworden wäre. Zudem soll er geäußert haben, er sei traurig gewesen, dass Lindvik auf dem Podium landete – wäre er nur Vierter geworden, hätte man ihn nicht disqualifizieren müssen.

Pertile selbst sei den Fragen des norwegischen Fernsehsenders dazu ausgewichen und habe ein Interview schließlich abgebrochen, so ‚TV2‘. „Der wichtigste Grund, warum Lindvik und Forfang disqualifiziert wurden, ist, dass sie ihre Anzüge manipuliert hatten. Wir können davor nicht die Augen verschließen“, sagte er laut dem Sender nur.

Lobben über weitere Manipulationen

Lobben bezeichnet das Strafmaß von 18 Monaten Sperre als unverhältnismäßig, da die FIS in der Vergangenheit bei ähnlichen Vergehen oft nur Verwarnungen ausgesprochen habe. Er berichtete offen von früheren Fällen, etwa 2019 in Kuusamo, als man die Perforierung der Anzüge nur an den Stellen vornahm, die üblicherweise gemessen wurden. In der Saison 2021 habe das Team die Innenseite der Anzüge mit einer Holzleimmischung bestrichen, um das Material zu versteifen. „Das ist in jedem Fall vergleichbar“, betonte Lobben. Damals habe es jedoch nur eine Warnung gegeben: „Man sagte uns, wir müssten damit aufhören.“

Er fühle sich als Sündenbock, der die Strafe für ein ganzes System verbüßen müsse: „Ich habe das Gefühl, dass wir die Hauptlast für ein ganzes System tragen. Es fühlt sich frustrierend an. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir das verdient haben.“

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Über Marco Ries 996 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

20 Kommentare

  1. ach je…der arme. Tut jetzt einem auf Gil Ofarim. Ein Betrüger wie er im Buche steht.
    Und ja, die Strafen waren unverhältnismäßig…unverhältnismäßig niedrig. Die beiden Bescheißer Forfang und Lidvik hätten für mind. 3 Jahre gesperrt werden müssen

  2. Alle urteilen über Norweger,aber was ist mit den Deutschen??…ob Skispringen,Biathlon,Langlauf usw…alle dopen!!…wer steht auf treppchen?..genau

    • Klaus, was bist Du für eine hohle Nuss? Was ist bei dir schief gelaufen. Nimm deine Pillen und dann Fresse halten.
      Die Deutschen sind überkorrekt, man kann ihnen absolut nichts vorwerfen. Warum redest du also so einen Dreck?
      Das Verhalten der Norweger ist dagegen skandalös. Die Norweger sind miese Betrüger. Und wenn man sie erwischt, zeigen sie nicht etwa Reue, sondern werden auch noch frech. Der Vogel wird dabei abgeschossen, wenn sich dieser Norweger erdreistet, aus der Tatsache, die Norweger seien schon einmal mit einer Verwarnung davon gekommen, sich darüber beschweren zu müssen. Was für Freaks?!

    • Welche Beweise können Sie denn anführen, oder reicht es Ihnen aus, mit reinen Vermutungen zu provozieren?
      Übrigens: Wenn Betrüger überführt werden und dafür bestraft werden,ist das immer gerecht.
      Wer zu schnell Auto fährt und blechen muss,kann sich zu Recht nicht darauf berufen, dass andere Verkehrsteilnehmer auch die Straßenverkehrsordnung verletzt hätten.

  3. Naturgemäß gilt für jeden zuvorderst die Unschuldsvermutung. Wer also (nicht) erwischt wird, hat eben Glück/Pech. Aber bei wem Vorsatz filmisch belegt wird, kan sich nicht mehr herausreden und mit dem Finger auf andere zeigen. Die wurden immerhin nicht gefilmt. Es hat im Stab ein paar ihre Pöstchen gekistet; mögen sie in’s Kissen heulen. Man kann mnaches übertreiben, aber man kann nicht alles unter den Tisch kehren. Und ja: Langsam würde der Einzug von Ruhe guttun! Abgehandelt und Ende. Lehren gezogen werden sollten daraus indes schon.

  4. Mir kommen gleich die Tränen…!
    Im Ernst, was ist denn das für eine peinliche ‚Rechtfertigung‘? Dass alle am Limit operieren, ist schon jedem lange klar, aber dass nachgewiesener Betrug bestraft werden muss, ist ja wohl selbstverständlich! Herrn Pertile vorzuwerfen, dass er sich dennoch bemüht hat, die Sache mit Fingerspitzengefühl zu behandeln, ist das Allerletzte!

    • Absolut. Völlige Zustimmung:
      Das Verhalten der Norweger ist skandalös. Die Norweger sind Betrüger. Und wenn man sie erwischt, zeigen sie nicht etwa Reue, sondern werden auch noch frech. Der Vogel wird dabei abgeschossen, wenn sich dieser Norweger erdreistet, aus der Tatsache, die Norweger seien schon einmal mit einer Verwarnung davon gekommen, sich darüber beschweren zu müssen. Da fehlen einem die Worte, die Norweger machen den Sport kaputt.

  5. Ich finde auch, Olympia sollte nun endlich im Vordergrund stehen. Ein Jahr später immer noch davon zu lesen, ist ermüdend und inzwischen auch unnötig. Lasst uns unser geliebtes Skispringen nicht tot quatschen, sondern endlich wieder sportliche Leistungen in den Vordergrund stellen!!
    (Dies alles unter der Annahme, dass aus dem damaligen Skandal gelernt wurde…)

    • Das Verhalten der Norweger ist skandalös. Diese Täter-Opfer Umkehr macht einen sprachlos: Die Norweger betrügen vorsätzlich und systematisch. Und wenn man sie erwischt, zeigen sie nicht etwa Reue oder nur ein klein wenig Einsicht, Nein, sie werden auch noch frech. Der Vogel wird dabei abgeschossen, wenn sich dieser Norweger erdreistet, aus der Tatsache, die Norweger seien schon einmal mit einer Verwarnung davon gekommen, sich darüber beschweren zu müssen. Was für ein Freak?!

  6. Es geht von der norwegischen Seite weiter. Alle sind schuld, nur wir nicht. Eigentlich sollten Norweger Klappe halten. Die Sache ist abgeschlossen. Damit ist Thema erledigt. Das die andere Nationen das gleiche machen, ist natürlich höchstwahrscheinlich. Die sind nicht erwischt, deswegen kann man anderen in Moment nichts vorwerfen. Was die FIS macht, ist natürlich beschämend. Aber welcher Weltsportverband ist sauber? Von daher Thema soll jetzt endlich abgeschlossen sein.

    • @Freund: 1. die Deutschen allen voran Wellinger,geben doch auch keine Ruhe,wobei Wellinger das macht,um Aufmerksamkeit zu bekommen,da er sportlich nix reisst.
      2.Wenn Pertile dass wirklich so gesagt hat,dann wurde meiner Meinung nach bei anderen Nationen ganz bewusst weggeschaut. Genauso schlimm ist seine Aussage, dass Lindvik nicht disqualifiziert worden wäre,wäre er nur Vierter geworden,also auch lieber 2 Augen zu drücken…
      Diese Sportart ist nur noch unglaubwürdig…

      • @ Heidi. Was Pertile angeht, stimme ich dir zu. In der FIS sind Mafiosi am Werk. Aber : dieser norwegischer CO Trainer soll sich an der eigenen Nase fassen und sein Verhalten hinterfragen als die Schuld an Sandro Pertile schieben. Entschuldigt nicht die Rolle der FIS in der ganzen Geschichte.Ich fand eher Walter Hofer viel sympathischer als Pertile. Aber Sandro ist Renndirektor. Man muss ihn akzeptieren.

    • Kriminelle du bist ja wahnsinnig. Er hat ja Recht. Als ob die anderen nie etwas getan hätten…es wurden so oft schon Spitzenspringer aller Nationen disqualifiziert. Das war auch oft wissentlich manipuliert. Aber da wird nix gesagt. Ist klarhahahaa

      • Klar, die anderen haben alle noch mehr betrogen oder?
        Dass immer wieder getrickst wurde ist wohl jedem klar. Jeder der ans Limit geht sucht Grauzonen, um noch das letzte Prozent zu finden. Egal ob Anzug, Helm, Bindung oder die Skier. Aber das was die Norweger getan haben war keine Grauzone, sondern bewusstes Manipulieren von Material in dem Wissen, dass dies gegen jegliche Regel verstößt. Das war etwas komplett anderes als den Anzug ein paar mm zurechtzuziehen oder mit verschiedenen Farben die Luftdurchlässigkeit zu verbessern. Wenn’s ums Betrügen geht sind sie immer ganz vorne dabei. Genauso beim Rumheulen. Wenn’s jeder so wie die Norweger macht, hätte es doch gar nicht so schwer sein müssen da mal zu spionieren und Beweise zu finden. So begibt man sich mit hohlen Behauptungen ohne jegliche Belege in die Opferrolle und versucht auf der emotionalen Ebene möglichst noch Sympathien zu gewinnen. Und die Dummen fallen halt auch noch darauf rein xD

        Sollen die Norweger nur weiter weinen. Ohne Betrug geht’s nie wieder ganz oben aufs Stockerl und das freut mich vor allem für Lindvik und Forfang.

    • Brutal wie man den Betrügern immer noch eine Bühne bietet. Egal ob Lindvik, Forfang oder der damalige Trainerstab. Außer einem Eingeständnis sollte denen jedes Interview untersagt werden.

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