Nach stundenlanger Warterei dürfen die Frauen an diesem Freitag in Planica doch auch Skifliegen. Anlaufzeit brauchten sie dafür aber kaum – und Nika Prevc fliegt spektakulär zum Weltrekord.
Lange sprach an diesem Freitag, den 27. März 2026 nicht viel dafür, dass auch die Frauen noch ihre Skiflüge in Planica bekommen. Noch viel weniger sprach dafür, dass dieser Tag über die historische Premiere hinaus noch Erinnerung bleiben wird – bis es 17:56 Uhr schlug und Nika Prevc zu ihrem zweiten Trainingsflug ansetzte.
Bei stetigem, leichten Rückenwind fuhr die Slowenin aus Luke 18 los und traf die Schanzentischkante perfekt und übersetzte in einer federnden Bewegung in ihr Flugsystem. Schier schwerelos segelte sie über den mächten Vorbau der Letalnica-Skiflugschanze und wurde noch dazu immer schneller. Bei rund 225 Meter öffnete sie ihr System wieder und flog kontrolliert über die Hill Size und landete bei 242,5 Metern. Mit ganzer Körperbeherrschung hielt sie dem Radiusdruck stand, hielt die Position und fuhr ohne Schneekontakt über die Sturzlinie. Damit war klar: Das ist neuer Frauen-Weltrekord!
Österreicherin Julia Mühlbacher absolviert ersten Flug
Prevc hatte auch im ersten Durchgang die Top-Weite erzielt mit 213 Metern. Es war der zweite Flug über den K-Punkt der Schanze, nachdem kurz zuvor Anna Odine Stroem mit 202 Metern den ersten 200-Meter-Flug in Planica absolviert hatte. In insgesamt 26 Flügen brachten die 13 auserwählten Starterinnen zwölf 200-Meter-Flüge zustande – und das unter wahrlich außergewöhnlichen Umständen.
Denn bis um 17:16 Uhr an diesem 27. März 2026 war noch nie eine Frau über die Skiflugschanze von Planica gegangen. Die Ehre der Startnummer eins hatte an diesem Freitag die Österreicherin Julia Mühlbacher, die mit 167 Metern das Training eröffnete und sich im zweiten Versuch auf 177,5 Meter steigern konnte. „Dass ich die Erste war kann mir keiner mehr nehmen. Es ist richtig cool, dass das so in die Geschichte eingeht und macht mich schon ein bisschen stolz“, sagte Mühlbacher im Anschluss im Gespräch mit skispringen.com.
Dass sie als einzige Teilnehmerin noch auf ihren ersten 200-Meter-Flug, beschäftigt sie nicht, vielmehr steht das Erlebnis und das Erfahrung sammeln im Vordergrund, erklärte sie: „Ich habe keinen Stress. Es geht mehr darum, dass ich einfach Sprünge und Flugkilometer sammle und dann kommt die Erfahrung auch dazu. Und dann wird es von Jahr zu Jahr sicher leichter. Jetzt ist der erste Schritt einmal getan, dass man in Planica die ersten Flüge gemacht habe. Und ich glaube, das ist ein Zeichen, dass wir das können, dass man es uns zutrauen darf und da können wir alle auf jeden Fall stolz sein.“
So erlebten Agnes Reisch, Selina Freitag und Katharina Schmid die Planica-Premiere
Mittendrin war auch das deutsche Trio aus Agnes Reisch, Selina Freitag und Katharina Schmid. Reisch belegte mit 196,5 und 209,5 Metern, welcher der einzige Flug einer Deutschen über 200 Meter war, die Plätze vier und sieben. „Ich habe mir davor tatsächlich nicht so viel Gedanken gemacht. Ich habe mir nicht so viel die Schanze angeschaut. Ich wollte einfach nur Skispringen. Ganz oben dachte ich mir „das ist schon ein bisschen hoch“, aber am Ende ist es auch nur eine Anlaufspur wie jeder andere und der Trainer winkt ab wie immer. Dann bin ich halt die Spur gegangen, aufgestanden und war nicht so hoch wie die Jungs wie das erzählt haben. Aber es war sehr cool und hat richtig Spaß gemacht“, sagte sie skispringen.com nach dem Training.
Freitag kam auf 179,5 und 195 Meter und wurde Achte und Neunte, womit sie „sehr zufrieden“ war. In erster Linie gehe es um die Teilnahme, die die Bestätigung für die Leistungen der gesamten Saison ist, wie sie ausführte: „Man hat es immer im Hinterkopf, dass hintenraus noch ein Skifliegen in Planica kommt und es ist natürlich ein großes Ding. Und dann schaut man natürlich, wie fühlt man sich… ist man auch dann dazu in der Form bereit, dann dazu zu springen? Und ich habe es einfach gefühlt, ich möchte da heute unbedingt runter. Ich möchte eine der ersten sein, da runtergesprungen sind.“
Für Schmid ist es aufgrund ihrer letzten Karrieretage ohnehin ein besonderer Event, daher waren auch ihre Weiten von 154,5 und 183 Metern Nebensache. „Es war mega cool, hier zu fliegen. Ich freue mich einfach, dass ich das noch mitnehmen darf. Das bedeutet mir schon sehr viel und ich freue mich auf morgen. Hier kann man seine Karriere schon mal beenden. Planica ist einfach seit der WM damals etwas ganz Besonderes. Mit den Bergen drumherum fühlt es sich wie zu Hause an“, schwärmte sie. Was sie sich für ihren letzten „Arbeitstag“ wünscht? „Ich will einfach nur Spaß haben, den Tag. Das alles aufsaugen und genießen. Ich glaube, es wird emotional.“
Skifliegerinnen mussten sich lange in Geduld üben
Bis die 13 Starterinnen jedoch (endlich) an der Reihe waren, zogen in Folge der stürmischen Wetterverhältnisse in Slowenien und den Nachbarländern etlichte Stunden ins Land. Die erste Planänderung erfolgte bereits um 7 Uhr morgens, nach der das Programm für den Vormittag abgesagt und auf den Nachmittag verschoben wurde. Demnach sollte nach dem für 13:45 Uhr neu angesetzten Probedurchgangs der Männer ein Trainingsdurchgang und in der Pause des Männer-Wettkampfs ein zweiter Trainingsdurchgang durchgeführt werden.
Doch nachdem die Probe bereits schleppend begann und immer wieder unterbrochen wurde, wurde der erste geplante Trainingsflug bereits gestrichen. In der Pause des Männer-Wettkampfs fiel dann die Entscheidung, das Training nach der -Siegerehrung zu verschieben. Diese sollte sich schlussendlich als Glücksgriff erweisen. Nicht nur blieb es lange genug hell, sodass trotz fehlendem Flutlicht sogar zwei Durchgänge durchgeführt werden konnte, sondern stabilisierten sich auch die Windverhältnisse.
„Das hat sich ja schon gezogen, aber ich habe mir dann gedacht, lieber warte ich hätte jetzt noch ein paar Stunden mehr und habe dann aber gute Bedingungen und wir können wirklich runterspringen als dass es dann gar nicht geht“, sagte Freitag rückblickend. Mühlbacher stimmte in diesen Tenor mit ein: „Es war schon ein langer Tag. In der Früh sehr zeitig aufstehen und dann so lange warten müssen, ist auch nicht einfach. Muss man schon schauen, wo man die Energie einspart und die Spannung wieder runterfährt. Aber ich glaube, wir 13 haben das alle super gemacht und gerade jetzt auch die Nika über 240. ist richtig cool und auch die Stimmung.“ Gut Ding wollte an diesem Freitag in Planica also wahrlich Weile haben.
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Am morgigen Samstag erleben die Skifliegerinnen dann ihre Wettkampf-Premiere in Planica. Der Wettkampf, welcher auch das Weltcup-Finale ist, beginnt um 15 Uhr. Zuvor gibt es um 14:15 Uhr den Probedurchgang (alles live bei skispringen.com).

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