Kobayashi fällt zurück

Vor Karl Geiger: Marius Lindvik springt in Zakopane zu zweitem Saisonsieg

Foto: imago / Newspix

Marius Lindvik jubelt beim Einzel-Weltcup in Zakopane über seinen zweiten Saisonsieg. Der Halbzeitführende Ryoyu Kobayashi zeigt im Finale Nerven und fällt deutlich zurück. Einen Aufwärtstrend verzeichnet hingegen Karl Geiger, der auf dem Podium landet.

Mit Sprüngen auf 135 und 139,5 Meter sicherte sich Marius Lindvik den Sieg beim Einzel-Weltcup in Zakopane. Der Norweger erzielte am Sonntagabend auf der „Wielka Krokiew“ insgesamt 294,6 Punkte und setzte sich damit gegen Karl Geiger durch, der auf 134,5 und 135,5 Metern (284,6 P.) kam. Auf dem dritten Platz landete Anze Lanisek aus Slowenien mit 135,6 und 135,5 Metern (283,7 P.).

Nach dem ersten Durchgang sah es noch nach einem Sieg von Vierschenzentournee-Gewinner Ryoyu Kobayashi aus. Der Japaner führte das Feld zur Halbzeit vor Österreichs Newcomer Daniel Tschofenig und dem drittplatzierten Lindvik an. Doch mit 139,5 Metern erzielte Lindvik im Finale die klare Tagesbestweite und sicherte sich mit deutlichem Vorsprung den fünften Weltcupsieg seiner Karriere.

„Ich bin sehr glücklich über den Wettkampf. Es war wichtig für mich, nach dem ersten Durchgang nochmal so stark zu springen. Es ist immer eine Ehre, hier in Zakopane zu gewinnen“, freute sich der 23-Jährige im Anschluss.

Freund kämpft um Olympia-Nominierung

Markus Eisenbichler musste sich mit 129 und 130 Metern sowie dem zehnten Platz zufrieden geben. „Für mich ist das eine schwierige Schanze. Im ersten habe ich am Tisch keinen Druck reingebracht, im zweiten war das ein bisschen besser. Ich fahre mit einem soliden Gefühl nach Hause“, sagte Eisenbichler im ‚ZDF‘.

Im Finale deutlich zurückgefallen ist Severin Freund: Nach dem ersten Durchgang noch aussichtsreich auf dem 14. Platz gelegen, fiel der Routinier im Finale mit 121 Metern noch auf den 20 Platz zurück. Seine Ambitionen einer Nominierung für die Olympischen Winterspiele in Peking hat der 33-Jährige als drittbester DSV-Skispringer des Tages aber dennoch untermauert. „Es ist schade, dass er heute nicht den 15. Platz geschafft hat, um die Olympia-Norm zu erreichen. Sein zweiter Sprung war leider zu früh am Schanzentisch und dann ist er schlecht gelandet“, urteilte Bundestrainer Stefan Horngacher.

Drei DSV-Skispringer ausgeschieden

Stephan Leyhe (31.), Constantin Schmid (37.) und Pius Paschke (46.) haben den Finaldurchgang verpasst. Bereits vorzeitig aus Zakopane abgereist ist Andreas Wellinger, der nach seinem Trainingssprung am Freitag einen Stich im rechten Knie gespürt hat und vorsichtshalber auf die Teilnahme verzichtet hat.

Kobayashi und Tschofenig fallen zurück

Im Kampf um den Gesamtweltcup musste Kobayashi wegen eines verpatzten zweiten Sprungs zumindest einen kleinen Rückschlag hinnehmen. Mit 132 Metern im Finaldurchgang ist der Japaner noch hinter Lanisek auf den vierten Platz zurückgefallen, kann das Gelbe Trikot gegen Geiger aber verteidigen.

Nach dem enttäuschenden vierten Platz beim Mannschaftsspringen am Samstag haben sich die österreichischen Skispringer zum Abschluss des Zakopane-Wochenendes stark zurückgemeldet. Zwar hat Tschofenig sein erstes Weltcuppodium knapp verpasst, indem er im Finale vom zweiten noch auf den fünften Platz zurückgefallen ist, doch gemeinsam mit Daniel Huber als Sechsten und Jan Hörl als Achten haben sich gleich drei Österreicher unter den besten Zehn platziert. Daneben landeten außerdem der Schweizer Killian Peier (7.) und Timi Zajc aus Slowenien (9.) unter den Top Ten.

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Neben den drei DSV-Skispringern sind mit dem Polen Maciej Kot (32.), dem Japaner Naoki Nakamura (32.) und dem Österreicher Michael Hayböck (35.) weitere namhafte Athleten vorzeitig ausgeschieden. Johann Andre Forfang aus Norwegen wurde wegen eines irregulären Sprunganzugs während des zweiten Durchgangs disqualifiziert, ebenso wie Keiichi Sato aus Japan bereits während der zuvor durchgeführten Qualifikation.

Fortgesetzt wird der Weltcup am kommenden Wochenende: Nach der Corona-bedingten Absage des Sapporo-Weltcups ist mit Titisee-Neustadt ein deutscher Veranstalter eingesprungen. Am Wochenende stehen auf der Hochfirstschanze dann zwei Einzel-Wettbewerbe auf dem Programm, bereits am Freitag finden Training und Qualifikation statt.

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Über Marco Ries 768 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

15 Kommentare

  1. Nach dem heutigen Springen ist im deutschen Lager Ernüchterung eingetreten.
    Geiger und Eisenbichler haben Ihre Reife für Peking untermauert… und dann,der DSV Rest unbeständig.
    Wenn man sich schon im Dezember auf ein A-Kader festlegt und den anderen,wie Freitag, Hamann u.a. zu verstehen gibt,Ihr seid chancenlos bzw.es gibt fast keine Qualimöglichkeiten für Peking, hat man heute die Quittung bekommen.Vom fehlenden Nachwuchs ganz zu schweigen.
    Und wenn man dann noch die
    “ E motionen“ der Trainer auf dem Turm sieht und die offiziellen Kommentare im TV…
    Begeisterung für diesen wunderbaren Sport sieht anders aus und war schon einmal etwas ganz Großes.
    Das bayrische Stützpunkt Zentrum führt, österreichische Trainer und Co Moderatoren bewerten.
    Wo sind eigentlich die vielen ehemaligen Weltmeister und Olympiasieger der vergangenen Jahre…Sie waren und wären Vorbilder und Heros für den Nachwuchs.
    Aber unser Sportsystem ist wahrscheinlich nicht Spitzenleistungen verpflichtet, sondern dem Weg des Geldes, sonst wären viele ehemalige Spitzensportler,siehe auch Biathlon, Langlauf, Eiskunstlauf,Bobsport u.u. nicht darauf angewiesen Ihr Auskommen im Ausland zu sichern.
    Hoffentlich geben die aktuellen DSV Kader noch einmal richtig Gas in Peking,
    vor allem für Ihre Fans… nicht für die Funktionäre.

  2. Ein qualitativ hochwertiges Springen. Lindvik springt aus einem Guss und wirklich schön. Kobajashi auch toll mit Nerven. Tschofenig einfach unverkrampft und eine Bank für die Zukunft. Und nun zu meinen Deutschen. Bei Karl fehlt das letzte Quentchen. Eisei …kommt wieder. Severin – sehe ich bei Olympia…aber der Rest ..zur Zeit nicht in Form…zuviel Kopf im Spiel oder einfach übersprungen. Mein Favorit bei Olympia…die tollen Slowenen. Holen bestimmt Einzelmedaillen und im Team sind sie Mitfavorit. Tolles Springerpotenzial. Geht uns leider ab. Mir fehlt in Deutschland der Nachwuchs der auch will. Bin gespannt.

    • Ein Freund, ein guter Freund…wäre schön (und wichtig) bei Olympia. Nur: wo ist das Quali-Kriterium? Beim DOSB regiert das „stahlharte Gehäuse der Bürokratie“ (Weber)!

  3. Sehr schöner Wettbewerb, aber oh mein Gott – viele Zuschauer und das ohne Maske! Wetten nächste Woche ist halb Polen infiziert oder tot! #fcklauterbach

    • Ich hoffe, die Spitze geht nicht gegen RF sondern gegen das Nachwuchskonzept des DSV. Da können Leinauer/Schuster noch so sehr die Polen für ihre in die Jahre gekommene Mannschaft kritisieren: wo sind die deutschen Hoerls, Tschofenigs, Kos’…? Keine nationale Gruppe in Oberstdorf. Ja, ich weiß warum, aber es überzeugt mich nicht. Fazit: Wellinger war ja Olympiasieger, da fließt die öffentliche Kohle ja beruhigenderweise. Die eigene Existenz ist für vier Jahre gesichert.

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