Der DSV schickt je neun Springerinnen und Springer zum Grand-Prix-Finale nach Klingenthal. Alvine Holz fehlt krank, Raimund will vor heimischer Kulisse angreifen.
Zum Abschluss des Sommers kommt es noch einmal zu einem Heimspiel: Beim Finale des Sommer-Grand-Prix in Klingenthal gehen am kommenden Wochenende neun Frauen und neun Männer des Deutschen Skiverbandes (DSV) an den Start. Der Wettbewerb in der Vogtland-Arena ist zugleich ein besonderer, denn der Sommer-Grand-Prix feiert in Klingenthal sein 20-jähriges Jubiläum. Am Samstag stehen zunächst die Einzelbewerbe der Frauen und Männer auf dem Programm, ehe der Grand Prix am Sonntag mit dem Mixed-Team beendet wird.
Bei den Frauen nominiert der DSV Selina Freitag, Luisa Görlich, Agnes Reisch, Emely Torazza, Juliane Seyfarth, Anna-Fay Scharfenberg, Megi Lou Schmidt sowie die beiden Lokalmatadorinnen Anne Häckel und Julina Kreibich vom VSC Klingenthal. Das Männerteam besteht aus Philipp Raimund, Andreas Wellinger, Karl Geiger, Pius Paschke, Felix Hoffmann, Constantin Schmid, Luca Roth, Max Unglaube und Ben Bayer.
Kuttin: „Wichtiger Gradmesser“
Für Frauen-Bundestrainer Heinz Kuttin ist das Finale vor allem eine Standortbestimmung: „Das Grand-Prix-Finale am Wochenende ist für uns noch einmal eine wichtige Standortbestimmung. Damit die Athletinnen sehen, was hat sich, wie haben sie sich im Herbst entwickelt. Wo stehen wir international? Das ist ein wichtiger Gradmesser, den wir entsprechend ernst nehmen.“
Mit den Sommerergebnissen der jüngeren Springerinnen zeigte sich Kuttin nicht zufrieden: „Am Ende des Sommers waren die Ergebnisse der jüngeren Athletinnen nicht zufriedenstellend – man hat gesehen, dass sich noch nicht alle in unserem harten Vorbereitungsprogramm, das wir durchgezogen haben, zurechtgefunden haben.“ Nun gehe es darum, die Qualität der Sprünge zu steigern. „Wir trainieren jetzt weniger Umfang, damit wir körperlich in die Richtung kommen, wo wir im Wettkampf sein wollen“, erklärte der Bundestrainer. Das Ziel: Spritzigkeit und Wettkampfgewicht bis zum Weltcup-Auftakt in Lillehammer.
Die Wettkämpfe in Klingenthal nutzt das Trainerteam zugleich, „um das Team für den Weltcup herauszufiltern“. Nicht dabei sein kann Alvine Holz: „Leider ist Alvine Holz krank geworden“, sagte Kuttin. Nach dem Finale stehen in den drei Wochen bis zum Weltcup-Start noch zwei Lehrgänge in Garmisch-Partenkirchen und Klingenthal an, jeweils gemeinsam mit den Männern. Dabei wollen die Verantwortlichen testen, „welche Synergie-Effekte sich tatsächlich ergeben und wie wir die im Winter nutzen können“.
Reisch, Görlich und Freitag: Selbstvertrauen und Heimspiel
Agnes Reisch reist mit Rückenwind an. Die deutsche Meisterin will „den Flow vom ICOC und den Deutschen Meisterschaften in Hinterzarten“ mitnehmen, „das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen“. Die Schanze sei allerdings eine Herausforderung: „Manchmal springe ich da richtig, richtig gut und manchmal komme ich gar nicht zurecht. Deswegen bleibt’s spannend!“
Luisa Görlich spricht von einem „Heim-Sommer-Grand-Prix zum Schluss“ und freut sich, dass „fast alle da und am Start sind – so ist das bekanntermaßen zum Winter hin“. Sie war nach eigener Aussage „schon sehr lange nicht mehr dort“.
Selina Freitag kennt die Anlage dagegen bestens. „Für mich ist das ein kleines Heimspiel, ich freue mich, dass meine Eltern dabei sein werden“, sagte die Springerin aus Oberwiesenthal, die zuletzt zwei Einheiten auf der Schanze trainieren konnte: „Ein bisschen habe ich mich schon drauf eingeschossen – am Ende weiß man aber nicht, wie es kommt. Es ist ja doch immer auch ein bisschen windig.“ Im Vorjahr wurde Freitag in Klingenthal Vierte, in Courchevel sprang sie im August als Zweite aufs Podium. Für die beiden Klingenthalerinnen Häckel und Kreibich ist der Wettkampf ein Heimspiel im besten Sinne.
Mitter: Neun Männer, ein Quotenplatz
Männer-Bundestrainer Andreas Mitter spricht von einem „Heimspiel“, auf das man sich „irrsinnig“ freue, und von einer „wichtigen Standortbestimmung, knapp vor dem Winter“. Mit neun Athleten reist sein Team an, „darunter auch Ben Bayer, der den Quotenplatz für die erste Winter-Wettkampfperiode geholt hat“.
Mitter weiter: „Grundsätzlich ist in der Vorbereitung alles nach Plan verlaufen. Jetzt heißt es aber, diese Leistungen auch im Wettkampf zu zeigen.“ Das Ziel sei, „mit möglichst vielen Leuten in die Punkteränge“ zu kommen. Geiger, Paschke, Hoffmann, Schmid, Roth und Unglaube komplettieren das Männerteam. Besonders freue sich das Team auf das Mixed-Team am Sonntag, „wenn wir die Sommer- und Herbst-Vorbereitungsphase gemeinsam abschließen“.
Raimund: Titelverteidiger mit gemischten Gefühlen
Im Fokus steht Philipp Raimund. Der Oberstdorfer gewann 2025 die Gesamtwertung des Sommer-Grand-Prix, als erster Deutscher seit zwölf Jahren. Den Gesamtsieg sicherte er sich in Klingenthal, wo er im Vorjahr hinter Ryoyu Kobayashi Zweiter wurde. „Letztes Jahr habe ich da ein Podest gemacht, das war einer der besten Sprünge meines Lebens!“, erinnerte sich Raimund. Ein Fan der Schanze sei er trotzdem nicht: „Das ist grundsätzlich eine ziemlich coole Schanze, ich habe aber immer wieder Probleme damit. Ich bin nicht ihr größter Fan, nehme das aber als Möglichkeit, immer wieder über mich hinauszuwachsen.“
Im August in Courchevel war Raimund an beiden Wettkampftagen ganz nah dran: Hinter dem Österreicher Daniel Tschofenig fehlten ihm 1,7 und 1,2 Punkte zum Sieg. Dort will er anknüpfen: „Ich hoffe, dass ich genau da weitermachen kann, wo ich in Courchevel aufgehört habe.“ Zur Aussagekraft eines Gesamtsiegs sagte er: „Manchmal sagt es aber auch gar nichts aus oder deutet nur darauf hin, dass man gut in den Winter reinkommt.“
Andreas Wellinger, in Courchevel Achter und Zehnter, schwärmt: „Klingenthal – wie immer, ein Fest! Eine Schanze, die ich sehr gern mag. Eine Skisprungbegeisterung, die riesig ist.“ Den Wettkampf versteht er als willkommenen internationalen Vergleich vor dem Winter.

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