Weitere Anpassungen kommen

Das sind die wichtigsten Entscheidungen des FIS-Frühjahrsmeetings

Auf seiner Frühjahrssitzung hat das Skisprung-Komitee der FIS weitere wegweisende Entscheidungen für die kommende(n) Saison(s) getroffen. Es geht um Kalender, Material, Regeln und Preisgelder.

In nur mehr sechs Wochen wird die Skisprung-Saison mit dem Sommer-Grand-Prix-Auftakt in Wisla (Polen) eröffnet. Am Montag hat das Skisprung-Komitee des Internationalen Skiverbands (FIS) bei seinem virtuellen Meeting weitere wegweisende Entscheidungen getroffen. Einige von ihnen haben direkte Auswirkungen, einige wiederum gehen über die kommende Saison hinaus. skispringen.com fasst alles relevante zu Kalendern, Material, Regeln und Preisgelder zusammen.

Bei der Sitzung wurde der Sommer-Grand-Prix-Kalender nun bestätigt. Dieser fällt allerdings noch schmaler aus als ursprünglich geplant, da die für Anfang September geplanten Wettkämpfe in Schtschutschinsk und Almaty (beides Kasachstan) nicht stattfinden und ersatzlos ausfallen werden. Somit bleiben bei den Damen lediglich fünf und bei den Herren sechs Einzel übrig. Dafür wird das neu geschaffene „Super Team“-Format am 18. September in Rasnov seine Premiere feiern.

Weltcup-Auftakt auf Matten fast fix

Weitaus weniger Bewegung gab es hingegen in den Weltcup-Kalendern beider Geschlechter. Somit wird es heuer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erstmals einen Weltcup auf Matten geben. Das Komitee nickte nicht nur die Idee, auf Eisspur anzufahren und auf Matten zu landen, sondern auch den Termin vom 4. bis 6. November 2022 in Wisla ab. „Zu 98 Prozent“ werde der früheste Weltcup-Auftakt aller Zeiten genau so aussehen, bestätigte der Generalsekretär des polnischen Verbandes (PZN), Jan Winkiel, gegenüber ’sport.pl‘.

Durch den Wegfall der künstlichen Schneeproduktion spart der Ausrichter rund 50.000 Euro, die wiederum in die Eingliederung der Skispringerinnen in das Programm fließen sollen. FIS-Renndirektor Sandro Pertile begründete den Schritt zum Hybrid-Weltcup in einer FIS-Mitteilung wie folgt: „Wir mussten unsere Planung an die Fußball-Weltmeisterschaft, die im November stattfinden wird, anpassen. Deshalb beginnt die Saison bereits sehr früh und es wird nach dem Auftakt in Wisla und den Wettkämpfen in Ruka eine kurze Pause geben.“

Iron Mountain zurück im Weltcup – Damen-Skifliegen bestätigt

Vor der Bestätigung durch den FIS-Kongress am 25. und 26. Mai in Mailand im Herren-Kalender nahezu komplette Klarheit. Auch die Rückkehr des Weltcups in die USA vom 10. bis 12. Februar 2023, wo in Iron Mountain gesprungen werden soll, wurde bestätigt. Einzig die Entscheidung über das geplante Mixed-Team-Springen bei der WM-Generalprobe in Rasnov steht noch aus.

Bei den Damen stehen vom 16. bis 18. Dezember 2022 und 20. bis 22. Januar 2023 noch zwei freie Wochenenden im Kalender. Auch das Wochenende vom 8. bis 10. Dezember 2022 in Titisee-Neustadt muss noch abgenickt werden. Bestätigt wurde hingegen das erste Skiflug-Event am 18. und 19. März 2023 in Vikersund mit den Top-15 der Raw-Air-Gesamtwertung, die mindestens 18 Jahre alt sein müssen.

Verbot für flache Skispitzen – Neue Messinstrumente kommen

Fortan nicht mehr Bestandteil des Geschehens ist das Modell des Ski-Herstellers Slatnar mit der abgeflachten Skispitze. Dieses wurde beispielsweise von Sara Takanashi und Yukiya Sato benutzt. Besonders in den Fokus geriet es jedoch beim Sturz von Cene Prevc bei der Vierschanzentournee, der eine Debatte um die Sicherheit des Modells entfachte. Dieser setzte das Komitee durch das Verbot nun ein Ende. Ab sofort sind nurmehr halb-platte Skier zugelassen, wie sie etwa Domen Prevc benutzt.

Auch die Anzugschnitte waren im vergangenen Winter ein großes Diskussionsthema, dem die FIS nun Herr werden will, weshalb nun die Messmethodik geändert wird. Die Körpermaße werden per Laser-Technologie ermittelt, wobei die Athletinnen und Athleten im Sitzen und im Liegen gemessen werden. Dieses Verfahren soll die Schrittlänge genauer definieren, nach der sich das Schrittmaß des Sprunganzugs richtet, welches gesprungen werden darf. Verpflichtend einzusetzen sind zudem für alle Springer im Weltcup die Chip-Sensoren, mit denen Daten wie Geschwindigkeit und Flughöhe übermittelt und im TV-Signal abgebildet werden.

Anpassungen bei Startreihenfolgen

Umgewöhnen müssen sich Springer und Fans derweil bei Startreihenfolgen einzelner Events. Beim Weltcup-Finale, also dem letzten Einzel der Saison, wird als Startreihenfolge ab sofort der Gesamtweltcupstand zugrunde gelegt. Im Falle eines Skifliegens, wie oft in Planica der Fall, ist dafür also nicht mehr der Skiflug-Weltcupstand ausschlaggebend. Für das „Super Team“ gilt folgendes Prozedere: In der ersten Gruppe des dritten Durchgangs bleibt die Reihenfolge unverändert, in der zweiten Gruppe wird sie dann gestürzt – analog zum alten Prozedere in Team-Wettkämpfen mit vier Athleten.

Bei genau solchen Springen wurde im vergangenen Winter erstmals ein neues Prinzip getestet, wonach die Reihenfolge der Gruppen im zweiten Durchgang immer dem umgekehrten aktuellen Zwischenstand entsprach. Dieser Test wurde von der FIS als erfolgreich eingestuft, weshalb das Verfahren nun ins Regelwerk aufgenommen wurde. Fixiert wurde auch die Erhöhung des Kompensationsfaktors auf 50 Prozent für Rückenwind und die Abschaffung der Regel, dass 50 Athleten bei Olympia und Weltmeisterschaften im ersten Durchgang teilnehmen müssen. Somit können bei WMs künftig Einzel ohne vorherige Qualifikationen stattfinden, bei Olympischen Spielen ist diese grundsätzlich nicht mehr vorgesehen.

Preisgelder werden angehoben – Neue Nachwuchsserie kommt

Zukünftig gibt es mehr Geld im Weltcup zu verdienen. Aktuell gibt es für alle Springerinnen in den Top 20 eines jeden Springens 38 Schweizer Franken (CHF) pro Weltcuppunkt zu verdienen, was einem Topf von 25.194 Franken entspricht. Dieser wächst zur Saison 2023/24 auf 28.720 CHF an, ab dann gibt es 40 CHF pro Punkt und diese dann auch für die Top 30. In den beiden Saisons darauf wird die Summe auf 42 respektive 45 CHF pro Punkt gesteigert, ehe es ab der Saison 2026/27 dann 50 CHF geben soll – was der Hälfte von dem entspricht, was die Herren aktuell verdienen. Deren Preisgeldtopf wird zur Saison 2023/24 auf 90.000 und ein Jahr später auf 100.000 CHF anwachsen.

Um den Weg vor allem für kleinere Nationen in den Weltcup zu erleichtern, wird mit der „New Star Trophy“ eine neue Wettkampfserie eingeführt, die für den Nachwuchs im Alter von elf bis 15 Jahren gedacht ist. Im Sommer 2022 werden fünf Veranstalter in Rumänien, Italien, Schweden, Finnland und der Slowakei im Sommer 2022 neun Wettkämpfe organisieren. Einen genauen Wettkampfplan gibt es derzeit aber noch nicht.

Über Luis Holuch 307 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

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