Tommi Nikunen führte Finnlands Skispringer einst zu großen Erfolgen. Nun ist der frühere Nationaltrainer wegen schwerer Veruntreuungen verurteilt worden – und spricht offen über seine Probleme.
Der frühere finnische Skisprung-Cheftrainer Tommi Nikunen ist wegen zweier schwerer Veruntreuungen zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Bezirksgericht Päijät-Häme fällte sein Urteil am Dienstag. Rechtskräftig ist die Entscheidung noch nicht.
Wie die Tageszeitung ‚Etelä-Suomen Sanomat‘ sowie der öffentlich-rechtliche Rundfunk ‚Yle‘ berichten, gestand Nikunen, zwischen 2021 und 2025 insgesamt 56.000 Euro veruntreut zu haben. Betroffen waren die Betreibergesellschaft eines Golfplatzes in Lahti, Lahden Golf Oy. Nikunen war nach seiner Tätigkeit als Cheftrainer der finnischen Skispringer seit 2010 Geschäftsführer der Gesellschaft und operativer Leiter des Vereins.
Nikunen macht Spielsucht öffentlich
Einschließlich der Kosten für die Aufklärung und das Gerichtsverfahren soll der 52-Jährige mehr als 107.000 Euro zahlen.
Sein Geständnis wirkte sich strafmildernd aus: Ohne die Verständigung im Verfahren hätte die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe von neun bis zehn Monaten gefordert, wie finnische Medien übereinstimmend berichteten.
In einer persönlichen Erklärung führte Nikunen sein Verhalten auf eine langjährige Spielsucht zurück. Das Glücksspiel habe ihn bereits seit seiner Jugend begleitet. Inzwischen habe er sich in intensive Behandlung begeben.
Emotionale Stellungnahme: „Scham, Schuldgefühle und schlaflose Nächte“
„Ich habe viel verloren, darunter meine Ehe und mein Selbstwertgefühl, und stattdessen plagen mich Scham, Schuldgefühle und schlaflose Nächte“, teilt er in einer Stellungnahme über den Verein Tammer-Golf aus Tampere mit, dessen Geschäftsführer er seit April 2025 ist.
Der Vorstand des Vereins entschied nach dem Urteil mehrheitlich, Nikunen weiterzubeschäftigen: Ein Wechsel auf dieser Position würde dem Verein nach Einschätzung der Verantwortlichen derzeit stärker schaden als der mit seiner Weiterbeschäftigung verbundene Imageschaden.
Nikunen als langjähriger Ahonen-Coach
Im Skispringen wurde Nikunen vor allem als finnischer Nationaltrainer bekannt: Von 2002 bis 2008 führte er die Mannschaft unter anderem zu Team-WM-Gold 2003 und Olympia-Silber 2006. In seine Ära fallen auch zahlreiche Erfolge von Janne Ahonen, der unter anderem zweimal den Gesamtweltcup, viermal die Vierschanzentournee und 2005 den Weltmeistertitel auf der Großschanze gewann.
Zuletzt arbeitete er etwa während der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo noch als TV-Experte für ‚Yle‘, wird diese Tätigkeit nach Angaben des Senders jedoch nicht fortsetzen.
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