Seifriedsberger-Sturz überschattet Springen

„Raw Air“: Maren Lundby und Silje Opseth bejubeln Doppelsieg in Lillehammer

Foto: GEPA

Nach einem kuriosen Rechenfehler bejubelt Maren Lundby ihren Sieg vor heimischem Publikum in Lillehammer. Ihr Doppelsieg gemeinsam mit Silje Opseth wird jedoch vom Sturz von Jacqueline Seifriedsberger überschattet.

Lange musste Maren Lundby warten, doch schließlich durfte die 25-Jährige dann doch jubeln. Nachdem der Jury ein Rechenfehler unterlaufen war, dauerte es fast 40 Minuten, bis die Norwegerin als Siegerin feststand. Das Kampfgericht hatte irrtümlicherweise ihrer Landsfrau Silje Opseth (138,5 und 134 Meter; 261,6 Punkte) den Sieg zugesprochen, dabei hatte die Olympiasiegerin und Weltmeisterin mit ihren Sprüngen auf 134 und 124 Meter 262,3 Punkte erzielt. Dritte wurde Chiara Hölzl (136 und 122,5 m; 255,1 P.), die wie Lundby im zweiten Durchgang unverständlicherweise mit weniger Anlauf springen musste.

Platz vier ging an Hölzls Teamkollegin Eva Pinkelnig, die vor der besten Slowenin Ema Klinec landete. Katharina Althaus fuhr als beste Deutsche einen soliden sechsten Platz ein und ließ dabei die beiden Japanerinnen Yuki Ito und Sara Takanashi auf den Folgeplätzen hinter sich. Nika Kriznar, die nach ihrem unfassbaren Crash am Montag glücklicherweise nur mit Prellungen an Schulter und Hüfte davonkam, trat mit schmerzverzerrtem Gesicht an und wurde nach einem starken zweiten Versuch sogar Neunte und damit zweitbeste Slowenin, bei denen Spela Rogelj als Elfte ihr bestes Saisonergebnis feierte.

Seifriedsberger wohl schwer verletzt

Mit Daniela Iraschko-Stolz (Zehnte) kam eine dritte Österreicherin unter die Top Ten. Jacqueline Seifriedsberger zeigte nach ihrem starken zweiten Platz in der Qualifikation einen starken Sprung im ersten Durchgang auf 134 Meter, konnte diesen jedoch nicht stehen. Das linke Knie der Österreicherin gab bei der Landung nach, sodass sie zu Fall kam.

Nach ihrem Unfall verspürte Seifriedsberger starke Schmerzen und wurde zunächst vom Mannschaftsarzt, Thomas Luze, behandelt. Wie ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher im ‚ORF‘ berichtete, wird die 29-Jährige am morgigen Mittwoch „zu weiteren Untersuchungen nach Hause fliegen“, da die Prognose „wenig gutes“ verheiße. Luze selbst geht „von einer Kreuzbandruptur aus, da sich das Knie so anfühlt wie das andere, was sie sich vor ein paar Jahren schon verletzt hat“.

DSV-Springerinnen tun sich schwer

Nach der Ungarin Virag Vörös, die sich gestern ebenfalls am Knie verletzte, ist es bereits der zweite Sturz, der das Saison-Aus einer Springerin bedeutet. Für die übrigen drei Deutschen, Juliane Seyfarth (16.), Svenja Würth (19.) und Luisa Görlich (21.), gab es im von wechselnden Winden geprägten Springen Mittelfeldplätze.

Selbiges wiederfuhr auch den beiden Italienerinnen Lara Malsiner (15.) und Elena Runggaldier (17.). Die fünfte Österreicherin Sophie Sorschag übertraf ihr gestriges Ergebnis nochmals um einen Platz und wurde 22. Irina Avvakumova wurde nach einem Verstoß gegen die Schuh-Regularien disqualifiziert. Neben der Russin verpassten Julia Kykkänen aus Finnland und die Südkoreanerin Guylim Park den Finaldurchgang auf sportlichem Wege.

Lundby baut Führung erneut aus

Im Gesamtweltcup ist Maren Lundbys Vorsprung auf Chiara Hölzl (1155 Punkte) nun auf 65 Punkte angewachsen. Die Titelverteidigerin hat nun 1220 Zähler auf ihrem Konto. Eva Pinkelnig (1029) hat als Dritte 191 Punkte Rückstand und somit nur noch theoretische Chancen auf den Gesamtsieg.

Im Gesamtklassement der Raw Air stehen unverändert Lundby (824,2 Punkte) und Landsfrau Opseth (780,2) auf den Plätzen eins und zwei. Dahinter kämpfen mit Pinkelnig (726,3), Althaus (726,2) und Hölzl (721,2) gleich drei Springerinnen um den dritten Gesamtrang, der der Letzte ist, der ein extra Preisgeld einbringt.

» Event-Übersicht: Weltcup-Saison der Damen 2019/2020

Am morgigen Mittwoch treten die Damen zur Opening Competition in Trondheim an, die für 20:00 Uhr angesetzt ist. Zuvor findet ab 18:50 Uhr das offizielle Training statt (alles live bei skispringen.com).

Auch interessant: Die „Raw Air“ wird ohne Zuschauer zu Ende gehen. Wegen des neuartigen Coronavirus haben die Veranstalter in Trondheim und Vikersund die Zuschauer ausgeschlossen.

Über Luis Holuch 124 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-Weltmeisterschaften 2020 in Oberwiesenthal.

Schreiben Sie jetzt einen Kommentar

Kommentar schreiben

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


*