Wasek mit illegalem Wachs

Vierschanzentournee: Disqualifikations-Schock in Innsbruck! Polnisches Team vor Rätsel

Foto: imago / Abacapress

Ein bizarrer Vorfall sorgt am Bergisel in Innsbruck für die nächste Disqualifikation bei der Vierschanzentournee: Pawel Wasek wird mit illegalem Fluor-Wachs erwischt und stellt die polnische Mannschaft vor ein Rätsel.

Eigentlich war die Qualifikation für das dritte Springen der 74. Vierschanzentournee schon lange beendet, da erfolgte eine Disqualifikation, wie es sie beim Skispringen bislang noch nie gegeben hat. In den Fokus gerät Pawel Wasek aus Polen, der den 36. Platz belegt hat und als einer von fünf Polen am Sonntag (Event-Übersicht mit Zeitplan & Infos) starten sollte.

Auf den Sprungskiern des 26-jährigen Polen wurden nämlich Fluor-Rückstände gefunden, die seit der Saison 2023/2024 vom Internationalen Skiverband (FIS) aus Umwelt- und Gesundheitsgründen offiziell verboten sind. Während fluorhaltiges Skiwachs in der Vergangenheit vor allem im alpinen Skirennsport oder im Skilanglauf angewendet wurden, haben sie beim Skispringen eigentlich keine zentrale Rolle gespielt – und nun für die erste Disqualifikation aus eben diesem Grund in der Geschichte gesorgt.

Cheftrainer Macusiak bestreitet bewusste Anwendung

Für die Verantwortlichen sei das Ergebnis der Materialkontrolle kaum nachvollziehbar, da das Team seit langer Zeit strikte Vorkehrungen gegen die Verwendung der verbotenen Substanz getroffen habe, erklärte Cheftrainer Maciej Macusiak.

„Wir sind genauso überrascht, weil wir solche Wachse definitiv nicht besitzen, und das schon seit sehr langer Zeit. Wir haben sogar ein Verbot, so etwas zu kaufen“, wird Maciusiak von ’skijumping.pl‘ zitiert. Dennoch ließen die Funktionäre der FIS keinen Spielraum für Interpretationen, da die gemessenen Werte deutlich über der Toleranzgrenze lagen.

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Besonders bitter stößt dem Trainerstab auf, dass die Messung keine geringfügige Verunreinigung suggeriert, sondern auf eine bewusste Anwendung hindeutet, was Maciusiak vehement bestreitet. „Das sind keine Spurenmengen. Aus dem, was uns präsentiert wurde, geht hervor, als ob die Ski offensichtlich mit Fluor gewachst worden wären“, erklärte der Coach. Dabei habe man bei der Präparation auf altbewährte Produkte gesetzt, die erst kürzlich bei der vorherigen Station der Tournee ohne Beanstandung durch die Kontrolle kamen.

„Wir wissen nicht, wonach wir überhaupt suchen sollen“

In der Analyse des Vorfalls herrscht derzeit eine Mischung aus Frust und Empathie für den betroffenen Athleten, der sich in einer Sackgasse wiederfindet. „Wir wissen nicht, wo der Fehler begangen wurde und wonach wir überhaupt suchen sollen. Und bei all dem tut mir Pawel am meisten leid, denn er trifft hier keine Schuld“, sagte Maciusiak frustriert über die Situation. Er beschrieb den Vorfall als eine „dumme Disqualifikation“.

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Um eine Wiederholung dieses Szenarios für den Rest der Saison und die kommenden Wettbewerbe auszuschließen, kündigte der polnische Verband eine umfassende Untersuchung des gesamten Equipments an. „Wir wollen morgen alles im gesamten Team überprüfen, um die Ursache zu finden“, versprach der Cheftrainer. Selbst Sabotage oder zufällige Verunreinigungen von außen scheinen derzeit unwahrscheinlich, da der Athlet seine Ski bis zum Start persönlich beaufsichtigt habe.

Am Ende bleibt ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber den unumstößlichen Fakten der FIS-Kontrolleure, die selbst von dem Vorfall überrascht schienen. Maciusiak berichtete von Gesprächen mit Renndirektor Sandro Pertile und kündigte an, sogar den Wachshersteller zu kontaktieren, um mögliche Produktionsmängel zu prüfen. „Niemand hatte die Absicht, die Regeln zu brechen“, resümierte der Trainer und fügte hinzu, dass die Anlaufgeschwindigkeiten ohnehin bewiesen hätten, dass das Material keinen Vorteil brachte.

Auch interessant: Nach seinem überraschenden Aus in der Qualifikation für das dritte Springen der Vierschanzentournee reist einer der bekanntesten Skispringer Norwegens vorzeitig ab – und widmet sich stattdessen dem Training. Der Verband schickt Ersatz.

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Über Marco Ries 997 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

4 Kommentare

  1. GOTTESWILLEN – man kann den Sport auch kaputt machen
    Der Typ der ihn disqualifiziert hat nutzt das Wachs wahrscheinlich selber im Urlaub beim Skifahren

    • Das wäre privat, und Dienst ist Dienst und Schnapps ist Schnapps. Wichtig ist die Klärung, es bis jetzt 0 Indizien gibt. Das macht es so schwer.

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