Gesamtweltcup entschieden

Domen Prevc disqualifiziert! Philipp Raimund jubelt in Lahti über ersten Weltcupsieg

Foto: imago / Lehtikuva

Eigentlich stand Domen Prevc schon als Sieger fest, da folgt in Lahti der große Paukenschlag: Der slowenische Überflieger wird disqualifiziert – und damit jubelt Philipp Raimund über den ersten Weltcupsieg seiner Karriere.

Mit einem Sprung auf 122,5 Meter sicherte sich Philipp Raimund am Freitagmittag den ersten Weltcupsieg seiner Karriere. Der Olympiasieger auf der Normalschanze erzielte insgesamt 129,3 Punkte und setzte sich damit hauchdünn gegen den Österreicher Daniel Tschofenig durch, der auf 124,5 Meter (128,6 P.) kam. Auf dem dritten Platz und damit erstmals auf dem Podest landete überraschend der Bulgare Vladimir Zografski mit 124,5 Metern und 127,2 Punkten.

Ski zu lang: Prevc disqualifiziert, aber Gesamtweltcup-Sieger

Zunächst sah es zum Auftakt des langen Skisprung-Wochenendes in Lahti noch danach aus, als könnte Domen Prevc seinen 14. Saisonsieg und zugleich vorzeitig den Gesamtweltcup sichern. Doch nach der Materialkontrolle im Schanzenauslauf folgte der Paukenschlag: Die Ski des Slowenen waren ein Zentimeter zu groß, der Überflieger des Winters wurde erstmals in dieser Saison disqualifiziert.

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Trotz des Material-Fauxpas steht Prevc schon jetzt als Gesamweltcup-Sieger fest: Nach seinem Sieg bei der Vierschanzentournee, der Skiflug-WM sowie Olympia-Gold auf der Großschanze krönt der Slowene seine Saison mit dem Gewinn der großen Kristallkugel. Im Gesamtweltcup liegt der 26-Jährige nach 23 von 30 Einzel-Wettbewerben 721 Punkte vor dem zweitplatzierten Ryoyu Kobayashi aus Japan uneinholbar vorne.

Prevc ist damit nach Matti Nykänen der erst zweite Skispringer der Geschichte, der alle fünf großen Einzel-Titel des Skispringens gewinnt. „Ich beschäftige mich nicht mit Rekorden, zumindest nicht im Moment. Für mich geht es nur darum, das Skispringen zu genießen. Irgendwann später werde ich dann realisieren, was das bedeutet“, erklärte der Überflieger des Winters noch im Vorfeld gegenüber skispringen.com.

Entscheidung in nur einem Durchgang

Dass die Skispringer ihren ersten Wettkampf an diesem Wochenende schon am Freitag ausgetragen haben, hängt mit der Absage von Ruka Ende November zusammen: Der Internationale Skiverband (FIS) hat sich dazu entschieden, den Wettbewerb in Lahti nachzuholen.

Aufgrund des dicht gedrängten Programms (neben den Skispringern gastieren auch die Nordische Kombination sowie der Skilanglauf an diesem Wochenende hier) war nur ein Durchgang ohne vorherige Qualifikation angesetzt.

Raimund erleichtert: „Ich bin sehr stolz“

„Endlich hat es geklappt. Ich bin sehr stolz, dass mir das gelungen ist in nur einem Durchgang. Nach Olympia-Gold musste ich noch auf den ersten Weltcupsieg warten – ich wusste, dass es am Kulm schwer werden würde, aber hier in Lahti mag ich die Schanze und habe einfach alles gegeben“, freute sich Raimund im Anschluss.

Neben Raimund überzeugte aus der deutschen Mannschaft nur Pius Paschke, der mit 120 Metern den zwölften Platz belegt hat. Weitere Weltcuppunkte sammelte aus dem Team von Bundestrainer Stefan Horngacher daneben nur Karl Geiger als 23.

Wellinger und Hoffmann enttäuschen

Nicht nach Plan verlief der Wettkampf hingegen für Andreas Wellinger, der sich am vergangenen Wochenende beim Skifliegen am Kulm noch deutlich formverbessert präsentiert hat. Mit 109 Metern und Platz 38 ist der Ruhpoldinger ebenso wie seine Teamkollegen Luca Roth (41.) und Felix Hoffmann (44.) ohne Weltcuppunkte geblieben.

Fortgesetzt wird das regulär geplante Weltcup-Wochenende am Samstag mit dem zweiten Einzelspringen, das dann wieder wie gewohnt in zwei Durchgängen ausgetragen wird. Um 15:30 Uhr startet zunächst die Qualifikation, bevor um 17 Uhr (alles live bei skispringen.com) dann der erste Wertungsdurchgang beginnt.

Mehr dazu gleich hier bei skispringen.com.

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Über Marco Ries 1007 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

23 Kommentare

  1. Leute, ich hab es tatsächlich kommen sehen. Ich finde schon seit Wochen, dass Domen sehr verhungert aussieht. Er ist so kantig und schmal im Gesicht geworden, dass man sich Sorgen machen muss. Magersucht ist eine Krankheit und man überschreitet irgendwann einen Punkt, an dem es kaum noch aufzuhalten ist. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass mit dieser Disqualifikation ein Alarmruf einher geht. Domen hatte eine tolle Saison und man kann ihm nur von ganzem Herzen gratulieren, dass sein Gesamtsieg schon jetzt entschieden ist. Ich hoffe, er passt gut auf sich auf und bleibt auch in der kommenden Saison auf der Überholspur!

    Dass Hille bei der ganzen Angelegenheit ein Treppchen höher geschubst wurde, ist ja gut und schön, aber ich finde so einen Intensiv-Jubel eigentlich nur dann angemessen, wenn man zweifelsfrei die beste Leistung erbracht hat.

  2. Aus deutscher Sicht sehr erfreulich. Was Prevc betrifft, ich gehe nicht davon aus, dass er andere Ski verwendet hat, sondern dass er eben zu leicht für sein Modell war. Hoffentlich auch ein Signal an ihn, dass er es nicht übertreiben sollte. Ansonsten echt krank, was er abliefert. Bei allen Leuten, die die letzten Saisons dominiert haben (Tschofenig, Kobayashi, Granerud, Stoch etc.) habe ich das noch nicht gesehen. Wenn er so weitermacht, kann er eine absolute Legende werden, aber ich bin mir nicht sicher, wie resilient seine Technik ist. Gibt es eigentlich irgendwas, was er noch nicht gewonnen hat?

  3. Severin Freund ist das auch mal passiert, wegen ein paar Gramm zu wenig disqualifiziert zu werden. Ist also nichts Neues und schon gar keine Verschwörung gegen Domen.Ich bin mir nicht sicher ob es nicht sogar das Jahr war als er punktgleich mit Peter Prevc den Gesamtweltcup gewonnen hat. Jedenfalls Glückwunsch an Domen zum Gesamtweltcupsieg und an Phillip zum Sieg gestern.

  4. Liebe europäische Skispringerfreunde,
    wir haben wieder einmal erlebt, wie eine Verschwörung geschmiedet wird. Wenn ein Skispringer alle anderen um 10 Punkte schlägt und dann wegen 100 g disqualifiziert wird, ist das absurd. Reimond ist ein sehr guter Springer, aber er hat diesen Sieg nicht verdient, da er regelrecht verprügelt wurde. Ich würde der Kommission vorschlagen, einen Psychiater hinzuzuziehen, um die Nebenwirkungen eines solchen Verhaltens zu klären. Das ist nicht im Interesse des Sports, sondern hat andere Gründe. MfG Štefan

  5. Ich bin da etwas zwiegespalten.
    Ausgehend von 70kg für den Skispringer, soll mit einer hochgenauen Wage ein Fehlgewicht von 100gr festgestellt werden.
    Bei einer Messgenauigkeit von 1% liegen wir schon mal bei einer Messtoleranz von 700gr …
    Um also die 100gr nachweisen zu können, bedarf es einer Messgenauigkeit von 0,14% oder besser.
    Wer auch nur den Hauch einer Ahnung von Messtechnik hat, kann nun abschätzen, was dazu notwendig ist.
    Ich zweifle daran, dass solch ein Equipment eingesetzt wurde.

    • Wie mit dem Bus, in den 10 ein-, aber 11 aussteigen.
      Der Biologe: Personen können sich auch im Bus fortpflanzen.
      DER PHYSIKER: 10% MESSWERTABWEICHUNG SIND VÖLLIG NORMAL.
      Der Mathematiker: Wenn jetzt noch einer einsteigt, ist keiner mehr drin
      🙂

  6. Ich finde es gut, dass die Regeln so konsequent durchgesetzt werden und irgendwo muss man die Grenze setzen. Ich weiß auch, dass Domen mit 100g mehr genauso gewonnen hätte und so gern ich ihm beim Springen zuschaue, diese Disqualifikation war gerechtfertigt. Man konnte ihn oben noch ordentlich was trinken sehen, aber selbst das hat nicht gereicht. Das zeigt, wie nah er sich im Grenzbereich aufhält. Das ist erst mal, meiner Meinung nach, nicht verwerflich, aber dann muss er eben auch mit dem Risiko leben, dass es auch mal schief gehen kann. Ebenso muss gesagt werden, dass diese Regeln bzgl. des Gewichts nicht nur der Fairness dienen, sondern auch zum Schutz der Springer! Je leichter der Springer, desto kürzer die Skier, was eben ein Nachteil ist. Damit wird dafür gesorgt, dass sich die Springer nicht gefährlich weit herunterhungern. Und mal ganz ehrlich, dünn sind die logischerweise alle, aber Domen ist schon erschreckend dünn. Es ist der Sport, aber deswegen bin ich dankbar für diese Regel. Vielleicht lernt Domen daraus, etwas mehr Puffer einzukalkulieren. Er hat es momentan absolut nicht nötig, so ans Limit zu gehen. Dafür ist er im Vergleich zu den anderen viel zu gut.
    Zu Raimund kann ich nur sagen, herzlichen Glückwunsch!

    • Man hat gesehen das Domen vorher Wasser getrunken hat, das war ein Schluck zuviel,man kann nur Kopf schütteln.Nein , der Zweite ist kein Sieger, eher ein blinder Huhn.

      • Dein Name ist scheinbar schlecht gewählt. Besonders klug ist dein Kommentar jedenfalls leider nicht. Er war zu leicht für die gesprungene Skilänge, hat also zu zu wenig getrunken. Dass sich ein dermaßen überlegener Springer so dermaßen an der Grenze bewegt ist absolut überflüssig und auch nicht wirklich intelligent. Wäre Prevc vor dem Spung aus dem Wettbewerb genommen worden, hätte auch niemand daran gerüttelt, dass Raimund der verdiente Sieger ist oder ihm gar vom heimischen Sofa aus die Ehre abgesprochen 🙁

  7. Schade das mann den Prevc nicht anders besigen kann mann muss ihn disqualifizieren
    Das ski Springer ist auch nicht mehr das was es mal war.
    Und der Raimund freut sich über Sieg denn er gar nicht regulär gewonnen hat verückt

  8. Wirklich schön und auch verdient für Philipp, aber trotzdem nerven diese pingeligen Regeln! Klar muss es diese geben und 100 Gramm sind 100 Gramm, ein halbes Glas Wasser zuwenig und schon bist disqualifiziert. Aber gut, so ist es. Ich freue mich sehr für Domen, dass er trotz allem vorzeitig Sieger des Gesamtweltcups geworden ist.

    • 100 g, das sind eingetütete 5 Schbn. Schnittwurst! Also nix.
      Aber auf der Waage x,6 oder x,7 ist eben 1 mehr/weniger bei der 1.Kommastelle. (Und da ist x,65 noch nicht berücksichtigt, denn auch da muss die Waage ja wissen, was sie tut.)
      Es ist verrückt. Empehlenswert wäre (aus der Ing.-technik): ZULÄSSIGE Toleranz und alles darüber/darunter dann eben UNzu…

  9. Nun, das war eine „nördliche“ Verschwörung gegen Prevec. Beim ersten Mal handelte es sich um Ski, doch nun hat sich der Verdacht nur bestätigt. Meine Herren, die Nordliche Verschwörer, Sie kommen ja doch nach Planica, und dann werden wir sehen, wer gegen wen eine Verschwörung durchführt! Da werden die Verschwörungs Herren ohne Ski an ebenen gelende sehr weit fliegen! Sie müssen nicht einmal mehr zur Skisprungschanze gehen.

  10. Der Raimund soll sich nicht so aufplustern, ein Sieg am grünen Tisch, wenn er Charakter hätte, würde er es nicht annehmen. Überhaupt merkwürdige Entscheidungen in letzter Zeit beim Skispringen, ein ganzer cm also zu lang, Wahnsinn, naja, wenn er sportlich nicht zu schlagen ist, wird halt anderweitig herum gesucht, ob man Domen nicht anderweitig am Zeug flicken kann, erbärmlich. Schön langsam verkommt es wirklich zu einem Zirkus, einzig sehenswert sind noch die Skiflugwettbewerbe, anosnten mischen immer mehr mit, die mit dem Sport nichts zu tun haben sollten.

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