Die Nominierung zur Fahnenträgerin ist für Katharina Schmid eine Auszeichnung. Doch der erste Trainingstag in Predazzo verlief ernüchternd. Nach einer schlaflosen Nacht sucht die Oberstdorferin noch den Anschluss.
Es gibt Momente in einer Karriere, die sich nicht über Weiten oder Noten definieren. Für Katharina Schmid war dieser Moment der Mittwoch, als feststand: Sie wird die deutsche Fahne bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 2026 tragen.
„Bei meinen vierten und letzten Olympischen Spielen ist es mir eine Wahnsinnsehre. Ich freue mich einfach riesig“, sagte die Oberstdorferin kurz nach der Entscheidung. Es ist die Anerkennung für eine Ausnahmesportlerin, die bereits sieben Weltmeistertitel und zweimal olympisches Silber in ihrer Vitrine stehen hat. Doch trotz all dieser Erfolge gibt es eine Lücke in ihrer Sammlung: Ein Olympiasieg fehlt der 28-Jährigen noch.
Kurze Nacht im Olympischen Dorf
Diese historische Ehre brachte im ersten Training auf der Normalschanze in Predazzo jedoch spürbare Unruhe mit sich. Der Trubel, wie Schmid die Stunden nach der Nominierung nannte, steckte ihr am Donnerstagabend noch in den Knochen. Die vielen Gratulationen und die Aufregung sorgten für eine kurze Nacht im Olympischen Dorf.
„Nachdem gestern mehr Trubel war, als ich das erwartet hätte und ich ziemlich schlecht geschlafen hab, hoffe ich, dass ich mich morgen erst noch einmal auf das Skispringen konzentrieren kann“, gab sie offen zu. Sportlich sah es mit einem 15. Platz als bestem Ergebnis erst einmal nicht nach einem Angriff auf die Medaillenränge aus.
„Würde den Tag gerne abhaken“
In Predazzo, wo Schmid am Freitagabend eines der beiden deutschen Gesichter der Eröffnung sein wird, war der Spagat zwischen Stolz und sportlichem Alltag deutlich spürbar. „Ich habe mich nicht gut gefühlt heute. Ich bin nicht gut reingekommen und würde den kompletten Tag gerne abhake“, bilanzierte sie nach ihren drei Versuchen auf der umgebauten Anlage. Es ist die schwierige Aufgabe einer Athletin, die einerseits „alles aufsaugen und richtig feiern“ möchte, aber genau weiß, dass am Samstag um 18:45 Uhr nur die Leistung im Anlauf zählt.
Dass die Schanze nach den schweren Stürzen im Sommer umgebaut wurde, spielte für die erfahrene Springerin keine große Rolle. „Mit einer Eisspur und Schnee darauf fühlt es sich eh anders an. Ich hatte auch mit der alten Schanze kein Problem, weil ich gut landen und noch einen Telemark setzen kann“, gab sich Schmid gewohnt selbstbewusst. Für sie geht es jetzt vor allem darum, die nötige Frische im Kopf zurückzugewinnen: „Jetzt hoffentlich gut schlafen und morgen wieder von vorne anfangen.“
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Am Freitagabend steht sie erst einmal im Scheinwerferlicht, wenn sie die deutsche Fahne ins Stadion trägt. Schmid hofft darauf, dass dieser emotionale Moment keine Kraft raubt, sondern neue Energie freisetzt. „Ich hoffe, dass ich nach morgen Abend den Schwung mitnehmen kann, die Stimmung und die Atmosphäre“, erklärte sie mit Blick auf den Samstag.
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