Wind-Farce

Zu gefährlich! Philipp Raimund verzichtet auf Start am Holmenkollen in Oslo

Foto: imago / Sven Simon

Turbulente Windbedingungen und wenig Fairness: Philipp Raimund setzt beim zweiten Einzelspringen am Holmenkollen in Oslo ein deutliches Zeichen und verzichtet freiwillig auf die Teilnahme.

Der legendäre Holmenkollen in Oslo hat an diesem Sonntag seinem Ruf als eine der wetteranfälligsten Schanzen der Welt alle Ehre gemacht – allerdings zum Leidwesen der sportlichen Fairness und der Sicherheit. Was als hoffnungsvoller zweiter Wettkampftag begann, mündete schnell in ein nervenaufreißendes Wind-Drama, das die Skisprung-Welt spaltet.

Während die Jury trotz zunehmend unkontrollierbarer Bedingungen am Zeitplan festhält und den Wettkampf durchziehen will, setzte Philipp Raimund ein unübersehbares Zeichen und verzichtete freiwillig auf seinen Start.

„Ich habe mir den Wettkampf oben lange im Fernsehen angeschaut und habe einige Sprünge gesehen, die jetzt nicht gerade ruhig durch die Luft gesegelt sind. Zu dem Moment habe ich mir noch nichts gedacht, aber gesehen, dass es immer wilder und unabsehbarer wird“, erklärte Raimund in der ‚ARD‘ seine Entscheidung: „Ich bin freiwillig hier, will Spaß am Skispringen haben und mir nicht Sorgen machen, ob ich heil unten ankomme.“

Schon Felix Hoffmann mit enormen Problemen

Dabei sah es zu Beginn des ersten Durchgangs noch nach einem vielversprechenden Verlauf aus. Die ersten Athleten kamen ohne größere Turbulenzen vom Schanzentisch, doch mit zunehmender Dauer verwandelte sich der Aufsprunghang in ein unberechenbares Wind-Nadelöhr. Die Böen wechselten in ihrer Intensität so abrupt, dass eine faire Bewertung kaum noch möglich war.

„Es hat eigentlich sehr gut begonnen, ist dann aber vom Wind her extrem turbulent geworden. Fair ist es sicher nicht gewesen. Schwieriger Wettkampf und nicht wahnsinnig schön“, bilanzierte Bundestrainer Stefan Horngacher nach dem ersten Durchgang.

Besonders deutlich wurden die Probleme bei Felix Hoffmann: Der DSV-Adler geriet kurz nach dem Absprung in massive Schwierigkeiten, musste in der Luft hart korrigieren und landete nur unter Aufbietung all seines Könnens sicher. Trotz der sichtbaren Probleme bei Hoffmann und vielen anderen Athleten, die teilweise wie Spielbälle im Wind wirkten, hielt die Rennleitung konsequent am Fortgang des Springens fest.

„Seine Entscheidung“: Horngacher zollt Raimund Respekt

Für Philipp Raimund war an diesem Punkt die Grenze des Vertretbaren erreicht: Er verzichtete freiwillig auf die Teilnahme. „Es war seine Entscheidung, er ist selbst runtergegangen. Ich finde das voll in Ordnung, der Sportler muss selbst wissen, ob man in der Lage ist, die Verhältnisse zu handeln oder nicht. In dieser Phase war sich Philipp nicht ganz sicher und hat das richtige gemacht, indem er runtergegangen ist“, erklärte Horngacher die Situation in der ‚ARD‘.

Der Bundestrainer hob hervor, dass dieser Entschluss keineswegs ein Zeichen von Schwäche, sondern von großer mentaler Stärke war. „Es ist viel schwieriger, runterzugehen als runterzuspringen, für den Sportler ist das viel schlimmer. Er hat sich dafür entschieden – Respekt dafür“, so Horngacher weiter.

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7 Kommentare

  1. Ich finde, das es die richtige Entscheidung von Hille ist und die Wirklich Mut und Kraft beweist!!! Ich finde es so schlimm das die FIS es nicht hinkriegt so was einzusehen, dass es sowas von Lebensgefährlich und VERANTWORTUNGSLOS ist!!! Am Freitag war es Lindvik der fast gestürzt ist, gestern Felix!? Raimund hat kein Bock auf das Risiko gehabt und wollte nicht! Der Slowenische Trainer Hrgota war am überlegen ob er Anze und Domen auch raus nimmt! Es waren 5 Springer die es nicht wollten oder fast gestürzt sind, ist es der FIS wirklich wert sowas aufs Spiel zu setzen, weil keiner es gebacken kriegt den Durchgang abzubrechen!! Euer ernst!!

  2. Ich habe dieses Springen angeschaut, so gefährliche Situationen habe ich noch nie gesehen, obwohl ich viele Springen schaue. Ich finde es von der Jury unverantwortlich, dass sie nicht abgebrochen haben. Wenn man die Windpfeile angeschaut hat, wäre es klar gewesen, die wechselten ja alle paar Sekunden. Nochmals unverantwortlich !

    • Sehe ich genauso! Raimund war echt stark und ich finde es mega das er es so eingeschätzt hat.Ich finde es ganz einfach schlimm, dass die FIS nix gebacken kriegt! Freitag war es Lindvik, der deswegen das restliche Wochenende nicht Springen wollte. Gestern war es Felix der fast gestürzt ist und Raimund wollte auch nicht Springen. Der Cheftrainer von den Slowenien wahr am überlegen Domen und Anze auch raus zunehmen. Als wenn 5 Springer aus Spaß sagen wir haben keine Lust unser Leben zu verlieren
      und die den Durchgang trotzdem nicht abbrechen das einfach nur KRANK die FIS ist so Verantwortungslos! Wie seht ihr das?

  3. Zum Ende der Saison sind alle Springer sowieso müde, sehr vernünftig, dass Philipp Raimund heute kein Risiko eingegangen ist. Ich find’s toll, wie er zu sich steht; er ist so erwachsen geworden! Ich weiß noch, wie euphorisch er frisch von den Junioren neu ins Team gekommen war. Und inzwischen hat er so viel geschafft! <3
    Und bzw: Auch wenn erstmal noch Vikersund dran ist, freue ich mich insbesondere noch auf Planica in zwei Wochen 🙂

  4. Allen Respeckt für Raimund, er hat die Umstände richtig eingeschätzt!!! Nicht um sonst wurde der 2. Durchgang abgesagt. Darum sieht das Ergebnis so aus wie es ist. Fertig!

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