Auch DSV-Trainer betroffen

Nach Corona-Fällen im Skispringen: So geht es jetzt weiter

Drei Corona-Fälle gleich beim Weltcup-Auftakt in Nischni Tagil werfen Fragen auf. Zwar soll es aktuell keine weiteren Fälle geben, doch die Ungewissheit fliegt mit – auch bei der gemeinsamen Weiterreise nach Finnland.

Noch vor wenigen Wochen waren sich alle Beteiligten des Skispringens sicher: Diese Saison wird zwar keine normale, doch Corona sollte zumindest eine kleinere Rolle spielen, als es noch im vergangenen Winter der Fall war. Angesichts der nicht nur in Deutschland deutlich ansteigenden Infektionszahlen stand diese Hoffnung vor dem Auftakt-Wochenende in Nischni Tagil zumindest auf wackligen Beinen. Am Samstag dann wurde sie jäh zerstört.

Nachdem die meisten Mannschaften am Mittwoch in Russland angekommen sind, mit negativen Testergebnissen im Gepäck, haben die Verantwortlichen des Internationalen Skiverbandes (FIS) eher kurzfristig entschieden, am Samstag erneut PCR-Tests zu absolvieren. Der Sicherheit wegen, schließlich soll es am Mittwoch in einem gemeinsamen Charterflug weiter von Russland aus direkt nach Finnland gehen, wo am Wochenende die nächsten Wettbewerbe anstehen.

Von der Isolierstation in die Privatklinik

Mit Klemens Muranka aus Polen, dem US-Amerikaner Decker Dean und einem namentlich zunächst nicht genannten Betreuer der deutschen Mannschaft wurden gleich drei Beteiligte positiv getestet. Was folgte, war der Abtransport aus dem Mannschaftshotel in eine Isolierstation, die nach Aussagen von Bundestrainer Stefan Horngacher vor allem psychisch eine große Belastung sei. „Wir versuchen einen Kompromiss zu finden und den Kollegen aus der massiv schlechten Quarantäne herauszuholen“, sagte Horngacher am Sonntag der ‚Sportschau‘.

Zumindest das ist gelungen: Der DSV-Betreuer, laut ‚ARD‘-Angaben Assistenztrainer Bernhard Metzler, und die beiden Skispringer konnten sich inzwischen in eine Privatklinik in Jekaterinburg begeben. Wie lange sie dort bleiben müssen, ist aber noch unklar: Zehn bis 14 Tage Isolation sind eigentlich Pflicht in Russland. Sie hoffen auf eine frühere Entlassung im Falle, dass sie früher PCR-negativ getestet werden.

Weitere Tests vor der Weiterreise nach Finnland

Der Deutsche Skiverband (DSV) betont, sich auch in dieser Saison ein besonders strenges Hygienekonzept auferlegt zu haben. Alle deutschen Skispringer sowie Trainer und Betreuer sind durchgeimpft, viele in Einzelzimmern untergebracht. Dazu werden Team-Besprechungen online abgehalten, die Mannschaft nur in Kleingruppen unterwegs, um im Fall der Fälle Infektionsketten nachzuverfolgen und weiteren Quarantäne-Anordnungen verhindern zu können.

Das hat sich zumindest vorläufig bezahlt gemacht, denn weitere Tests der deutschen und polnischen Mannschaft vom Sonntagabend sind inzwischen negativ ausgefallen. Stand jetzt, sind neben Muranka, Dean und Metzler also keine weiteren Beteiligten infiziert. Doch der vierte Test innerhalb weniger Tage steht schon bevor: Vor der Weiterreise nach Finnland sollen alle Beteiligten am Dienstag erneut getestet werden.

Erstes Geisterspringen angekündigt

Die Testergebnisse dürften mit ähnlicher Spannung erwartet werden wie die Wettkampfergebnisse. Auch weil völlig unklar ist, wo sich die aktuellen Corona-Fälle infiziert haben, bleibt es abzuwarten, wie sicher das Konzept der Skisprung-„Bubble“ in diesem Winter tatsächlich ist. Und ob es dauerhaft vermieden werden kann, dass sich gleich ganze Mannschaften in Quarantäne begeben müssen, wie es in der letzten Saison mehrfach der Fall war.

Die Hoffnung jedenfalls, alle Weltcups in diesem Winter vor Zuschauern austragen zu können, wurde von den steigenden Infektionszahlen in Deutschland bereits zunichte gemacht. Nachdem in Nischni Tagil zumindest 500 Zuschauer im Stadion zugelassen waren, sollen auch die nächsten Wettbewerbe in Ruka / Kuusamo (Event-Übersicht mit Zeitplan & Infos) und im polnischen Wisla vor Zuschauern stattfinden. Beim darauffolgenden Weltcup-Wochenende im sächsischen Klingenthal werden die Athleten dann aber vor leeren Zuschauertribünen springen müssen. Und wie es danach weitergeht – auch etwa bei der Vierschanzentournee, wo die Veranstalter bislang auf zumindest 50.000 Zuschauer an den vier Veranstaltungsorten gehofft haben – scheint vollkommen ungewiss.

Update (23. November 2021, 17 Uhr): Auch die weiteren Tests am Dienstag sind negativ ausgefallen. Die Mehrheit der Mannschaften reist somit am Mittwoch gemeinsam weiter ins nordfinnische Ruka / Kuusamo, wo die nächsten Weltcup-Wettbewerbe auf dem Programm stehen.

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Über Marco Ries 727 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

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