Raimund verzichtet auf Start

Wind-Farce am Holmenkollen: Naito feiert ersten Weltcupsieg in Oslo

Foto: imago / NTB

Tomofumi Naito feiert nach nur einem Durchgang bei einem denkwürdigen Wettkampf am Holmenkollen überraschend den ersten Weltcupsieg seiner Karriere. Doch vorausgegangen ist eine Wind-Farce, bei der Philipp Raimund ein klares Zeichen setzt.

Am Ende eines denkwürdigen Wettkampfes reichte Tomofumi Naito ein einziger Sprung auf 131,5 Meter für den ersten Weltcupsieg seiner Karriere. Der Japaner erzielte am Sonntagnachmittag insgesamt 128,7 und setzte sich damit hauchdünn gegen Anze Lanisek aus Slowenien durch, der auf 127 Meter (128,6 P.) kam. Den dritten Platz belegte der Finne Antti Aalto, der nach 131 Metern (127,6 P.) über den ersten Podestplatz seiner Karriere jubeln konnte.

Doch der Wettkampf am berühmten Holmenkollen war erneut geprägt von wechselhaften und am Ende eigentlich kaum noch zu beherrschenden Windbedingungen: Bei vergleichsweise stabilen Bedingungen gestartet, entwickelte sich das zweite Einzel des Wochenendes zu einer regelrechten Wind-Farce – gleich mehrere Athleten hatten Mühe, ihre Luftfahrt zu kontrollieren und einen Sturz zu verhindern.

Philipp Raimund zieht freiwillig zurück

Am deutlichsten wurden die schwierigen Bedingungen bei Felix Hoffmann (48.), der seinen Sprung kaum kontrollieren konnte und schon nach 95 Metern – hauptsache sicher – gelandet ist.

Ein deutliches Zeichen setzte kurz darauf Philipp Raimund, der auf den Start freiwillig verzichtet hat. „Ich habe mir den Wettkampf oben lange im Fernsehen angeschaut und habe einige Sprünge gesehen, die jetzt nicht gerade ruhig durch die Luft gesegelt sind. Zu dem Moment habe ich mir noch nichts gedacht, aber gesehen, dass es immer wilder und unabsehbarer wird“, erklärte Raimund in der ‚ARD‘ seine Entscheidung: „Ich bin freiwillig hier, will Spaß am Skispringen haben und mir nicht Sorgen machen, ob ich heil unten ankomme.“

Horngacher: „Viel schwieriger, runterzugehen als runterzuspringen“

Stefan Horngacher lobte die Entscheidung seines aktuell besten Springers ausdrücklich: „Ich finde das voll in Ordnung, der Sportler muss selbst wissen, ob man in der Lage ist, die Verhältnisse zu handeln oder nicht. In dieser Phase war sich Philipp nicht ganz sicher und hat das richtige gemacht, indem er runtergegangen ist“, sagte der Bundestrainer und erklärte weiter: „Es ist viel schwieriger, runterzugehen als runterzuspringen, für den Sportler ist das viel schlimmer. Er hat sich dafür entschieden – Respekt dafür.“

Das sportliche Abschneiden ist an diesem denkwürdigen Tag damit fast in den Hintergrund gerückt – auch wenn sich die deutschen Skispringer sich mit Karl Geiger als Elfter und Andreas Wellinger als Zwölfter zumindest im Vergleich zum Vortag deutlich gesteigert haben. „Es hat eigentlich sehr gut begonnen, ist dann aber vom Wind her extrem turbulent geworden. Fair ist es sicher nicht gewesen. Schwieriger Wettkampf und nicht wahnsinnig schön“, analysierte Horngacher.

Selbst Domen Prevc kann nicht mitmischen

Auch Domen Prevc, seit dem vergangenen Wochenende vorzeitiger Gewinner des Gesamtweltcups, kam bei den schwierigen Bedingungen nicht über 127,5 Meter und den neunten Platz hinaus. Vortagessieger Gregor Deschwanden aus der Schweiz hätte den zweiten Durchgang nach Platz 38 verpasst.

Besser lief es für den Japaner Naoki Nakamura und den Finnen Niko Kytösaho, die hinter Aalto die Plätze vier bzw. fünf belegt haben. Stephan Embacher wurde mit 127,5 Metern dahinter als Siebter bester Österreicher.

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Valentin Foubert, nach 116 Metern auf dem 45. Platz gelegen, wurde aufgrund eines kuriosen Missgeschicks disqualifiziert: Der Franzose ging offenbar mit einem von der FIS bislang nicht zugelassenen Sprunganzug an den Start.

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Fortgesetzt wird die Weltcup-Saison am kommenden Wochenende im von Oslo nur 80 Kilometer entfernten Vikersund, wo auf der Skiflugschanze die nächsten beiden Einzel-Wettbewerbe auf dem Programm stehen. Bereits am Freitag stehen Training und die Qualifikation auf dem Programm.

Mehr dazu gleich hier bei skispringen.com.

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Über Marco Ries 1007 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

34 Kommentare

  1. Ich wiederhole mich gerne an dieser Stelle:
    1.Jeder Athlet dieser Sportart weiss das er permanent mit seinem Leben spielt. Der Mensch ist nunmal kein Flugzeug.
    2. Die FIS und die verantwortlichen Funtionäre können nichts fürs Wetter. Ich bin mir sicher die wollen niemanden bewusst ins Krankenhaus oder ins Grab befördern. Aber die stehen unter so immensem Druck, dass es sich sicher viele von Euch die nie was mit Leistungssport oder dem Veranstalten solcher Megaevents zu tun hatten auch nur annähernd vorstellen können.
    3. Die verantwortlichen Trainer zu kritisieren ist der einzig richtige Ansatz. ABER: Auch die stehen bis zum Anschlag unter Erfolgsdruck, genauso wie viele Springer.
    4. Die Springer selbst haben die grösste Verantwortung für sich selbst. Wenn die wie der pawlowsche Hund losjagen wenn der Trainer sie abwinkt dan würden die ohne Überlegung auch noch ganz andere Sachen machen wenn man sie losschickt…
    5. Das Problem hat also viele Perspektiven die es zu berücksichtigen gilt.
    6. Glück auf Planica!!!!!

  2. Schade dass andere insbesondere Prevc sich nicht der Entscheidung von Raimund angeschlossen haben. Als Vorzeitiger Gesamtweltcupsieger der quasi alle Schanzen beherrschte wäre das ein klares Zeichen gegen über der Wettkampfleitung. ich hatte echt Schiss als er dran war das er ne Bruchlandung baut.

    Foubert hatte das falsche BIB mit Lahti Beschriftung an das war der Grund für DSQ.

  3. Warum ziehen die Trainer bei solchen Verhältnissen nicht zurück? Es geht ja um die Gesundheit ihrer Sportler,das frag ich mich. Ich weiß warum behalten es aber für mich sonst wird mein Kommentar hier auf der Seite einfach nicht veröffentlicht. Schade schade und traurig dazu

    • Weil es einzig die Entscheidung der Springer ist. Ganz einfach. Der Trainer sitzt nicht oben auf dem Balken.

      Wenn, dann müssten sich die Trainer einig sein und alle Springer vom Balken holen. Das wird nicht passieren.

      • Nein das ist dann wie bei einer Wahl: Alle schimpfen, keiner war es hinterher, aber es werden immer die gleichen gewählt. Trainer, Wähler, jede Gruppe ist nicht wirklich stark, weil sie es nie gemeinsam durchzieht. Du wirst immer Leute sehen, die dies oder jenes für das kleinere oder größere Übel halten. Divide et impera – so ist es überall und immer wieder.

      • der Trainer hat aber den Windmonitor vor der Nase und kann dementsprechend Handeln. Wenn der Wind da jede 2te Sekunde mit 6 Metern oder mehr pro Sekunde schwankt schickt man den Springer nicht los.

        in der Formel 1 nennt man das „unsafe Release“

    • Meinst du vielleicht mglw. entgehende Werbe-/Sponsoreneinnahmen? – Springende Litfaßsäulen; von Bannern, Logos und Werbeflächen umzingelt, wo immer eine Kamera hinschauen könnte…

  4. Wenn Domen Prevc seinen Sprung abbricht, sagt uns das sehr viel. Das war kein sportlicher Wettbewerb, sondern fahrlässiger Umgang mit den Athleten. Großen Respekt habe ich vor Philipp Raimund.

    • Das ist schon Ganze Saison kein Faire Wetbewerb. wen Mann sich nur Erinert zurück wo der der an Skie von Domen aufpassen Soll dan mit seinem Schirm Herunter wirft und Domen Prevc dann nicht mehr Springen darf saggt das Alles über FIS Mafia.

  5. warum schimpfen alle auf die Jury? Alle Trainer halten zusammen und sagen unsere Sportler springen heute nicht. Keiner von denen hat ein Arsch in der Hose das zu sagen alles falsche Heuchler wer von den Trainern denkt hier an die Sicherheit der Sportler. traurig traurig was hier mittlerweile passiert.

  6. Ich habe mal ne Frage an die Trainer, warum hat kein Trainer ein Arsch in der Hose und lässt seine Athleten bei solchen Verhältnissen nicht Springen. Ich kann euch sagen warum, weil jeder Trainer denkt wenn der und der verzichten kann ja mein Sportler vielleicht gewinnen!!!!! Alle sind Heuchler warum sagen nicht alle Trainer heute startet keiner????? Es geht nur noch ums Geld

  7. An dieser Stelle muss ich auch erneut meinen Unmut über die Eurosport-Kommentatoren äußern – dieser Leinauer hat einfach keine Ahnung von dem Sport und Schuster macht es mit seinen rassistischen un sexistischen Ausfällen nicht besser. Dass die das nicht checken…

    • Ich kann Hannawald in der ARD nicht zuhören der geht mir tierisch auf die Nerven, aber was die auf Eurosport veranstalten ist überhaupt nicht mehr auszuhalten. Ist da jetzt nicht auch noch Eisenbichler dabei?
      Eurosport kann man nur noch ohne Ton ertragen

        • @Free Willy
          Aber sowas von richtig!!! Eer mal live zuschauen kann wie oft und wie lange die das Nässchen gepudert bekommt von einer eigens zum deutschen TV-Team gehörenden und teuer bezahlten Makeup-Stylistin dem wird schlecht. KEIN anderes TV-Team leistet sich diesen Quatsch…

    • Rassisitische und sexistische Ausfälle? Sie haben sicher etliche Beispiele, die Sie mir auf Anhieb nennen können, nicht wahr? 😉

      • Hier mal eine kleine Auswahl:
        1. Zitat über eine missglückte Landung: „So landen normalerweise die chinesischen Damen“ (aus der gestrigen Quali)
        2. Kommentar zu chinesischem Springer: „Hoffentlich fliegt der raus, den Namen kann ich mir eh nicht merken“
        3. Wiederholt abfällige Bemerkungen über das kasachische Team, sowas wie „na sowas, ein Kasache hat gerade einen guten Sprung gemacht!“
        4. Als die Polen vor einer Weile in lilafarbenen Anzügen aufgetreten sind, hat er nicht gerade an spöttischen Bemerkungen gespart

        Falls Sie noch weitere Beispiele benötigen, werfen Sie gerne einen Blick in meine früheren Kommentare zu dem Thema

        • Verstehe. Ich empfinde die von Ihnen angeführten Beispiele persönlich als nicht besorgniserregend respektlos, aber ich verstehe, wenn das nicht Alle so sehen. Ist vielleicht auch gut, dass wir mittlerweile allgemein diesem Thema mehr Platz einräumen. Da empfinde ich jedoch Sven Hannawald als schwieriger, er wirkt bisweilen so als missgönne er regelrecht den Slowenen den aktuellen Erfolg.

    • Servus Schanzenrekord. inwiefern ist Schuster rassistisch und sexistisch ihrer Meinung nach, ich hör ihm eigentlich gern zu, da er von den Kommentatoren das meiste Fachwissen hat meiner Meinung nach.

    • Und was hat das genau mit dem Thema Sicherheit beim Springen zu tun? Mal waren welche gegen Wellinger, mal gegen die Kommentatoren. Braucht ihr alle eure Feindbilder, um euch abzureagiern? Der Wind indes – der echt irregulär war! – ist hingegen keine Ermssens- oder Sympathiefrage, sondern auf’s km/h messbar. Das ist objektiv; ihr seid subjektv.

      • Guten Tag Herr Söffner, soweit mir bekannt ist, sind Sie nicht derjenige, der zu bestimmen hat, welche Themen in dieser Kommentarspalte diskutiert werden. Beste Grüße

        • Ich glaube nicht, dass ich mit Ihnen Bier trinken gehen möchte. Bleiben Sie wie Sie sind, dann kann man sich weiter wundern; auch über die Änderungen in der Gesell(en)schaft.

          • Ich trinke auch gar kein Bier 😉 was man von Ihnen nicht behaupten kann, wenn man Ihre Kommentare liest

  8. Früher hat die Jury noch im Sinne der Athleten gehandelt und ein Auge auf Fairness und Sicherheit gehabt. Das heute war einfach nur noch peinlich!!

  9. Wäre gut, wenn Ihr als skispringen.com da noch etwas dranbleiben und Hintergründe rausfinden könntet: Warum hat die Jury den Wettkampf unbedingt durchziehen wollen? Wurden nach den Beinahe-Stürzen eine neue Entscheidung beraten oder hat man einfach auf gut Glück weitergemacht? Und vor allem, ob die Jury alleine entschieden hat oder wurde Sie vielleicht von der FIS/Sandro Pertile unter Druck gesetzt es durchzuziehen?

  10. Bei Foubert war glaube ich nicht der Anzug das Problem, sondern das Trikot. Dies war deutlich sichtbar vom Lathi-Wettbewerb am vergangenen Wochenende. Wie sowas passieren kann, ist mir schleierhaft.

  11. Höchster Respekt für Raimund! Das sind genau die eigenverantwortlichen Sportler, die ich sehen will! Und ich stelle mir ernsthaft die Frage, warum keiner der Herren TRAINER die Courage hat, seinen Sportler vom Balken zurück zu schicken. Die sehen doch die vogelwilden Windpfeile! Und statt ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen beschränken sie sich auf ihre lahme Rolle des Abwinkens innerhalb der 10 Sekunden. Da könnten auch mal so richtige Zeichen gegen eine unverantwortliche Jury gesetzt werden. Aber anscheinend geht der eventuelle sportliche Erfolg dann doch über Courage. Und solchen Pappnasen wie Sundal, der (windbegünstigt) auf Platz 7 springt und dann unten im Auslauf das motzen startet möchte ich zurufen „mach‘s wie Raimund, schnall ab und dann mach den Mund auf…“

  12. Wenn schon Domen Prevc den Sprung abbricht, sagt uns das sehr viel. Das war kein sportlicher Wettbewerb, sondern nur noch leichtsinniger Umgang mit den Athleten. Großen Respekt habe ich vor Philipp Raimund!

  13. Mal wieder ein unverantwortlicher Auftritt dieser lebensmüden Wettkampfleitung. Trotz dieser fragwürdigen Führung hatten wir zwei Premierensieger, für die ich mich wirklich freue

  14. Also mit der Geduld scheinen es die Herren in der Jury nicht so zu haben, siehe Olympia wo man bei Schnee keine 20 Minuten warten könnte bis es eh wieder trocken ist. Warum man heute die Springer bei Vogel wilden Bedingungen mit 5 Meter Wind nach Absprung loslässt, wenn der Wind nicht Mal im Korridor ist, kann ich mir nicht erklären. Raimund’s Entscheidung nicht zu springen war so konsequent wie richtig. Über den sportliche Fairness brauchen wir erst gar nicht zu reden. Trotzdem Glückwunsch an Naito zum Sieg und Lanisek und Aalto zu Platz 2 bzw. 3

  15. Ja,es,war nicht wirklich fair,aber ich freue mich trotzdem total,dass Antti Aalto ein Glückslos gezogen hat! Das ist sooo schön….

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