Skispringer auf Sponsorensuche

Geldsegen für Prevc und Co.? Neue Regel macht Sloweniens Stars zu Gewinnern

Foto: imago / GEPA

Nach einer herausragenden Saison könnte sich der Erfolg für Domen und Nika Prevc nun auch abseits der Schanze besonders auszahlen. Eine grundlegende Änderung im slowenischen Team eröffnet den beiden Stars plötzlich ganz neue Möglichkeiten.

Erstmals dürfen Sloweniens Skispringerinnen und Skispringer einen der wertvollsten Werbeplätze selbst vermarkten: ihren Helm. Bislang war diese Fläche einem zentralen Sponsor des slowenischen Verbandes vorbehalten, persönliche Partner konnten dort entsprechend nicht präsentiert werden.

Das ändert sich zur neuen Saison. Die Athleten dürfen sich nun selbst einen Helmsponsor suchen und die daraus resultierenden Einnahmen für sich nutzen. Eine nicht unerhebliche Neuerung in einer Sportart, in der die Karriere vergleichsweise kurz und die wirtschaftliche Absicherung stark von Preisgeldern und Sponsoren abhängig ist.

Der wertvollste Platz gehört jetzt den Springern

Auslöser für die Änderung war das Ende einer langjährigen Partnerschaft des slowenischen Skiverbandes mit ‚Gorenje‘. Der slowenische Haushaltsgerätehersteller hatte das Skispringen im Land 33 Jahre lang unterstützt und war zuletzt unter anderem auf den Helmen der Nationalmannschaft präsent.

Anstatt diesen Platz erneut zentral zu vergeben, entschied sich der Verband für ein anderes Modell. Mit ‚Inotherm‘ wurde zwar ein neuer Generalsponsor für die Skisprungsparte gefunden. Der slowenische Hersteller von Haustüren wird künftig allerdings auf den Skiern der Athleten präsent sein – der Helm bleibt für deren persönliche Vermarktung frei.

Spartenchef Gorazd Pogorelcnik bezeichnet diesen gegenüber dem Portal ‚Siol‘ als den „wertvollsten Werbeplatz“ eines Skispringers. Am 15. Juni seien die Athleten über die neue Möglichkeit informiert worden. Inzwischen hätten einige bereits Verträge abgeschlossen, anderen hilft die Marketingabteilung des Verbandes bei der Suche.

Dass hinter der Änderung auch die Aussicht auf höhere persönliche Einnahmen steckt, bestätigt Anze Lanisek. „Ich glaube, dass wir mehr herausholen können, denn das war auch der Zweck der Veränderung“, erklärt der 30-Jährige. Für ihn ist die finanzielle Eigenverantwortung ein wichtiger Bestandteil des Profisports: „Du gehst nicht jeden Tag zur Arbeit und stehst auf keiner Gehaltsliste. Hier bist du selbst dein Produkt und musst dich selbst voranbringen und pflegen.“

Domen Prevc vor prominentem Deal

Besonders interessant ist die neue Freiheit für Domen Prevc. Nach seiner herausragenden vergangenen Saison könnte der Zeitpunkt kaum günstiger sein, einen der sichtbarsten Werbeplätze im Skispringen selbst vermarkten zu dürfen.

Vieles deutet darauf hin, dass künftig ‚Red Bull‘ auf seinem Helm zu sehen sein wird. Der österreichische Getränkehersteller zählt bereits zu Prevcs persönlichen Partnern, war bislang aber – anders als etwa bei Andreas Wellinger, Ryoyu Kobayashi oder Daniel Tschofenig – nicht auf der Ausrüstung präsent.

Offiziell bestätigen will Prevc einen neuen Vertrag allerdings noch nicht. „Ich bin in Gesprächen, aber solange nichts offiziell unterschrieben ist, kann ich es nicht bestätigen“, sagte er am Rande einer Pressekonferenz in Ljubljana. Sein anschließender Hinweis fiel allerdings ziemlich deutlich aus: „Wer mich verfolgt, dem ist klar, was auf meinem Helm stehen wird.“

Prevc, der am Wochenende überraschend beim Continentalcup in Stams anstatt beim Sommer-Grand-Prix an den Start geht, dürfte damit zu den größten Profiteuren der neuen Regelung gehören. Welche Summen persönliche Helmsponsoren im slowenischen Team bezahlen, ist nicht bekannt. Entsprechend lässt sich auch nicht beziffern, wie viel mehr Prevc künftig tatsächlich verdienen könnte.

Auch Nika Prevc kurz vor Abschluss

Ähnlich interessant dürfte die neue Möglichkeit für seine Schwester sein. Nika Prevc zählt nach drei Gesamtweltcupsiegen in Folge und ihrem Frauen-Weltrekord von 242,5 Metern zu den prominentesten Wintersportlerinnen ihres Landes.

Auch die 21-Jährige arbeitet bereits an einem eigenen Helmsponsor. „Ich bin sehr nah an der Unterschrift, aber ich traue mich vorher noch nichts zu sagen“, erklärte die 21-Jährige. Neben Prevc zählt der Verband Nika Vodan zu den interessanten Springerinnen für potenzielle Partner. Bei den Männern befinden sich unter anderem Lanisek und Zajc in Gesprächen.

Für die Finanzierung der Mannschaft soll die Umstellung derweil keine Verschlechterung bedeuten. Pogorelcnik bezifferte das Budget für Skispringen und Nordische Kombination für die laufende und kommende Saison jeweils auf 3,7 Millionen Euro.

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