Am Tag nach ihrem 25. Geburtstag und dem Rücktritt vom Rücktritt spricht Lisa Eder erstmals selbst über ihre Kehrtwende. So erklärt sie ihre Rückkehr auf die Schanzen.
Diese Nachricht sorgte im bis dato eher ruhigen Skisprung-Sommer 2026 für großes Aufsehen – vor allem in Österreich: Keine vier Monate nach ihrem Rücktritt ist Lisa Eder offiziell wieder Skispringerin. So überraschend ihr Entschluss im April war, so überraschend war auch diese Kehrtwende und umso gespannter war man auf ihren Auftritt gegenüber der Presse.
Dieser stellte sich die 25-Jährige am Donnerstagvormittag nach einer Sprungeinheit in Stams. Vor „rund zwei Wochen“ habe sie den Entschluss gefasst, wieder auf die Schanzen zurückzukehren und ist seitdem auch wieder im gewohnten Training, kurz darauf folgten auch die ersten Sprünge nach der verlängerten Pause. Bleibt nur die Frage, was sie zum Umdenken bewogen hat.
ÖSV, Lisa Eder und Manuel Fettner einigen sich auf Zusammenarbeit
Aulöser der Rücktrittserklärung im Frühling war, dass Eder ihren Verlobten Manuel Fettner, der beim Weltcup-Finale in Planica seinen Ausstand als aktiver Skispringer gegeben hatte, in den Trainerstab der österreichischen Frauen-Nationalmannschaft integriert haben wollte. Dies lehnte der Österreichische Skiverband (ÖSV) jedoch ab.
„Dem konnten wir aus inhaltlichen, compliance-technischen und budgetären Gründen nicht Folge leisten. Das konnten wir nicht umsetzen, weil wir ein sehr gut funktionierendes Trainerteam rund um Cheftrainer Thomas Diethart haben“, begründete Florian Liegl, Sportlicher Leiter für Nordische Kombination und Skispringen im April. Knappe vier Monate später hat sich das Blatt jedoch gewendet.
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Fettner wird fortan als Berater seiner Verlobten fungieren. „Lisa hat jetzt die Möglichkeit, mit ihm zu trainieren und ihn als Coach zurate zu ziehen“, erklärte Liegl am Donnerstag. In der Praxis bedeutet dies, dass er sie bei allen Trainings begleiten werde, Zugang zu den gefilmten Sprüngen haben und mit Cheftrainer Thomas Diethart „gemeinsam“ an ihrer Leistung arbeiten werde. Im Fokus steht laut Diethart, dass sie „bestmögliche Ergebnisse erzielen können“ soll.
Wille von Eder und Fettner doch noch erfüllt
Der Vierschanzentournee-Sieger von 2013/2014 hob hervor: „Wir freuen uns wahnsinnig, dass Lisa den Weg zurück gefunden hat, denn sie ist eine wichtige Stütze für das gesamte Team und natürlich auch für unsere Ergebnisse.“ Auch von der Zusammenarbeit mit Fettner erhoffe er sich Positives: „Ich glaube auch, dass Manuel mit seiner großen Expertise eine Bereicherung sein kann – er war selbst ein sehr guter Skispringer und hat viel Erfahrung, mit der er helfen kann.“
Liegl betonte jedoch ausdrücklich, dass der 41-Jährige nicht vom Verband bezahlt wird und „kein offizielles ÖSV-Mitglied“ ist. Dies sei „eine gute Lösung“, bekundete Eder: „Ich kann mit ihm trainieren und er fährt zu den Trainings mit.“ Auch aus Fettners Sinn ergebe die gefundene Lösung „total Sinn“, weshalb er auch betonte: „Ich bin sehr zufrieden damit, sonst wäre ich nicht hier.“
Zusammenarbeit zwischen Fettner und ÖSV „muss sich erst einspielen“
Gleichwohl, so blickte Diethart voraus, werde man „in den nächsten Wochen schauen, wie wir das genau umsetzen, denn die Zusammenarbeit muss sich natürlich erst einspielen“. Er sei jedoch sehr zuversichtlich, dass Eder zu jener Form zurückfinden könne, die sie im vergangenen Winter zu zwei Weltcup-Siegen, neun weiteren Podestplätzen und Gesamtweltcuprang vier geführt habe. Sie habe „sich während ihrer Pause sportlich fit gehalten“ und ihre ersten Sprünge seien „bereits sehr, sehr gut“ gewesen.
Lisa Eder selbst sieht noch einigen Aufholbedarf in Folge ihrer längeren Pause: „wenn man länger nicht gesprungen ist, ist vieles zunächst sehr ungewohnt, und man muss gerade die Einschätzung beim Springen erst wieder bekommen. Dazu kommen einige Regeländerungen, vor allem bei den Anzügen, und auch daran muss ich mich erst gewöhnen. Deshalb muss ich jetzt einiges aufholen und versuche, das Beste daraus zu machen und mich bestmöglich auf den Winter vorzubereiten.“
Österreichs Frauen-Team gewinnt an Stärke
Für Florian Liegl und seine Verbandskollegen ist Eders Rückkehr per se eine „positive Botschaft“: „Wir sind sehr froh, dass sie sich entschieden hat, ihre Karriere fortzusetzen. Gerade im Hinblick auf die wichtige WM-Saison ist das natürlich sehr positiv.“ Sie ist auf dem Papier nun wieder ein fester Bestandteil des Nationalteams und wird Ende August wieder zur Gruppe hinzustoßen, worauf sie sich „sehr freue und gemeinsam zu arbeiten.“
Für das Frauen-Team des ÖSV ist Eders Rückkehr eine erhebliche Verstärkung. Zwar legten Julia Mühlbacher und Hannah Wiegele beim Sommer-Grand-Prix in Courchevel mit je einem Top-Ten-Platz einen guten Einstand hin, jedoch sei es vor allem für die 22-Jährige Mühlbacher „eine gute Situation, weil sie nicht alleine die Fahnen hochhalten und die junge Teamleaderin sein muss, sondern sich in Ruhe entwickeln kann“, wie Diethart erklärte.
In nicht allzu ferner Zukunft wird mit Eva Pinkelnig auch die erfahrenste und erfolgreichste noch aktive Springerin zurückkehren. Ihre Reha nach schweren Knieverletzungen bei der Olympia-Generalprobe in Val di Fiemme im September 2025 verläuft nach Auskunft von Diethart „sehr gut“. Pinkelnig selbst sagte unlängst im ‚ORF‘: „Ich habe so viel Kraft wie schon lange nicht mehr. Ich bin so frei wie schon lange nicht mehr. Ich bin einfach wieder die Eva und freue mich auf das, was jetzt kommt.“

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