Rechtefragen immer noch ungeklärt

Nordische Ski-WM 2027: Droht in Falun ein TV-Blackout?

Foto: Bildbyraan

In einem halben Jahr steht mit der Nordischen Ski-WM in Falun das große Highlight des Winters an. Jedoch sind einige zentrale Fragen immer noch nicht geklärt. Droht sogar ein kompletter TV-Blackout?

Bereits seit dem 25. Mai 2022 steht fest, dass die 56. Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Falun stattfinden werden. Der traditionsreiche Skisportort in Schweden hatte bereits 1954, 1974, 1993 und 2015 als Austragungsort fungiert und die Wahl für die Ausgabe 2027 als einziger Kandidat zugesprochen bekommen. Mit dem Internationalen Ski- und Snowboardverband (FIS) wurde daraufhin im Januar 2025 der Ausrichtervertrag abgeschlossen.

Doch nun, ein knappes halbes Jahr vor dem Beginn am 24. Februar sind einige zentrale Fragen immer noch ungeklärt. Das Portal ‚Langrenn.com‘ berichtete am Donnerstag, dass vor allem die TV-Übertragung ein einziges Fragezeichen ist.

Demnach sind weder die Rechte in Schweden noch in Norwegen bislang verkauft worden. Doch nach aktuellem Stand könnten nicht nur in diesen beiden Kernländern des nordischen Skisports keine Bilder der WM zu sehen sein.

WM 2027: Noch immer kein Host Broadcaster gefunden

Findet sich nämlich in Schweden kein übertragender TV-Sender, sind automatisch auch alle anderen Märkte betroffen, denn: Jener Sender, der im Austragungsort und -land die Rechte innehat, ist als sogenannter Host Broadcaster auch automatisch für die Produktion der TV-Bilder zuständig. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Sollte sich bis WM-Start am 24. Februar kein schwedischer TV-Sender finden, der die Rechte kauft, wird es auch in allen anderen Ländern keine Live-Übertragung zu sehen geben.

Für die Sportarten Skispringen, Skilanglauf und die Nordische Kombination, aber auch für den Veranstalter in Falun wäre dies ein Schreckensszenario. Schon jetzt, bekundete WM-CEO Kajsa Sjösvärd gegenüber ‚Dagbladet‘, sei es schwierig, Sponsoren zu finden: „Es gibt auch andere Dinge, die sich auswirken, aber es ist klar, dass sie zusammenhängen. Ein Sponsor möchte wissen, wie und wo sie für die Fernsehzuschauer sichtbar werden.“

Auch die Gestaltung der Lugnet-Skisprungschanzen und des Langlaufstadions sowie die Konzeptionierung der Wege und Loipen sind davon betroffen, ergänzte Sjösvärd: „Es geht auch darum, wie wir die Arena gestalten werden, wo die Kameras stehen sollen, wie wir den Schnee verteilen und so weiter. Bevor ein Deal zustande kommt, können wir nur raten. Wenn die Vereinbarungen sehr spät klar getroffen werden, kann dies auch zu recht hohen Mehrkosten führen, was sich wiederum auf die Ticketpreise auswirken kann.“

TV-Sender in Schweden: „Hätte vor über einem Jahr klar sein müssen“

In Schweden gilt nach wie vor der öffentlich-rechtliche Sender ‚Sveriges Television‘ (SVT) als aussichtsreichster Anwärter auf den Erwerb der Rechte. Das bestätigte Max Bursell, Sportmanager bei SVT, in einer E-Mail an ‚Expressen‘, stellte aber auch klar: „So wie die Situation jetzt ist, hat SVT nicht die Rechte. Solange niemand sonst die Rechte gekauft hat, schließen wir keine Türen. Die Zeit wird knapp sein, egal wer sich schließlich die Rechte sichert.“

Seiner Ansicht nach „hätte das vor über einem Jahr klar sein müssen“, kritisierte er und mahnte: „Es gibt sicherlich mehrere Unternehmen in Schweden, die daran interessiert sind, die Ski-WM auf heimischem Boden zu zeigen, aber es ist auch mit enormen Kosten verbunden, um für die internationale TV-Produktion der Wettbewerbe verantwortlich zu sein. In Kombination mit hohen Rechtekosten kann es schwierig sein, das in einer wirtschaftlichen Weise umzusetzen.“

Fragezeichen auch in Norwegen: „Noch nie in so einer Situation“

Auch im norwegischen Verband sind die Fragezeichen ob der nicht vergebenen TV-Rechte im Nachbar- und auch im eigenen Land sehr groß. „Ich war noch nie in einer Situation, in der wir ein halbes Jahr vor der Weltmeisterschaft sitzen und die Rechte immer noch nicht verkauft wurden. Wir sind weit über der Zeit. Ich bin sehr überrascht, dass sich das nicht gelöst hat und ich hoffe, dass es bald so weit sein wird“, sagte Terje Lund, der als Eventmanager für die Vergabe der norwegischen TV-Rechte zuständig ist, dem ‚Dagbladet‘.

Ein Knackpunkt der Vergabe waren auch Entwicklungen in der Verbandsstruktur der FIS. Nachdem zuvor jahrzehntelang die nationalen Skiverbände selbst für die TV-Rechtevermarktung verantwortlich waren, setzte sich Johan Eliasch in seiner Amtszeit als FIS-Präsident stark für die Zentralvermarktung, nach der die FIS diese Aufgabe übernehmen würde, ein. Dementsprechend hatten norwegische und schwedische Sender bereits im Januar 2026 ihre Angebote abgeschickt, zu einer Vereinbarung kam es aber nicht.

Im Juni wurde Eliasch schließlich als FIS-Präsident abgewählt, seine Nachfolge trat der Liechtensteiner Alexander Opselt an. Doch auch er konnte die knifflige Situation bislang nicht auflösen, es bleibt also ein Wettlauf gegen die Zeit.

» Weltcup-Kalender 2026/2027 (Männer): Alle Termine im Überblick

Den stressigsten würde der potenzielle Host Broadcaster erst noch vor sich haben, schließlich sind die Vorbereitung für ihn am umfangreichsten. Für die Fans des nordischen Skisportfans jedenfalls bleiben aktuell Fragezeichen, ob sie die WM in Falun überhaupt verfolgen können.

Auch interessant: Ein Skispringer aus Thailand sorgt beim FIS-Cup für Schlagzeilen: Ein 17-Jähriger mit außergewöhnlichem Karriereverlauf verpasst nur knapp die ersten FIS-Punkte der Geschichte.

skispringen.com-Newsletter

Aktuelle Nachrichten, spannende Hintergrund-Informationen und Veranstaltungs-Hinweise per E-Mail abonnieren. Weitere Informationen zum Newsletter und Datenschutz

Über Luis Holuch 652 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und die Continentalcup-Finals der Nordischen Kombination.

Schreiben Sie jetzt einen Kommentar

Kommentar schreiben

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


*