Nur ein Deutscher in den Top Ten

Vierschanzentournee: Prevc geschlagen! Ren Nikaido feiert in Innsbruck ersten Sieg

Foto: imago / GEPA

Ren Nikaido hat das scheinbar Unmögliche möglich gemacht und Domen Prevc bezwungen. Am Bergisel in Innsbruck feiert der Japaner den ersten Weltcupsieg seiner Karriere – die deutschen Skispringer gehen leer aus.

Mit Sprüngen auf 131 und 128 Meter sicherte sich Ren Nikaido den Sieg beim dritten Springen der 74. Vierschanzentournee. Der Japaner erzielte am Sonntagnachmittag am Bergisel in Innsbruck insgesamt 276,5 Punkte und setzte sich damit gegen den bislang dominierenden Domen Prevc aus Slowenien durch, der auf 129,5 und 128 Meter (276 P.) kam. Den dritten Platz belegte der Österreicher Stephan Embacher mit 130 und 127,5 Metern (275,8 P.).

Nach dem ersten Durchgang konnten die 21.125 Zuschauer im restlos ausverkauften Stadion noch auf einen Heimsieg hoffen: Zum ersten Mal in seiner Karriere lag Stephan Embacher nach dem ersten Durchgang in Führung, punktgleich allerdings mit Nikaido. Im Finale sprang der Österreicher dann aber einen halben Meter kürzer als sein japanischer Konkurrent, der kurz darauf lauthals den ersten Weltcupsieg seiner Karriere bejubeln durfte.

Prevc mit deutlichem Vorsprung zum Finale

Zumindest der Traum, in die Fußstapfen von Sven Hannawald, Kamil Stoch und Ryoyu Kobayashi zu treten, die allesamt den Vierfach-Triumph bei der Vierschanzentournee gefeiert haben, ist für Domen Prevc am Bergisel zwar zerplatzt, doch zum Finale in Bischofshofen wird er trotzdem als haushoher Favorit reisen.

Trotz des verpassten Siegs baute der Slowene seinen Vorsprung in der Gesamtwertung sogar weiter aus, liegt nun 41,4 Punkte – umgerechnet also 23 Meter – vor Jan Hörl, der nach seinem Qualifikationssieg am Samstag diesmal Vierter wurde. Vor mit seinem Finalsprung, der ihn vom vierten auf den zweiten Platz der Tageswertung nach vorne brachte, konnte er auch im Kampf um den Goldenen Adler und das Extra-Preisgeld in Höhe von 100.000 Euro weitere Punkte gutmachen.

Trotz Missgeschick: Hoffmann mit Bestweite im Finale

Aus der deutschen Mannschaft ist es einzig Felix Hoffmann gelungen, im Kampf um die ganz vorderen Plätze mitzumischen. Mit 126,5 Metern zur Halbzeit noch auf dem sechsten Platz gelegen, verbesserte sich der Thüringer mit 130,5 Metern im Finale noch auf Rang fünf. Kurios: Ausgerechnet bei seinem starken Finalsprung blieb Hoffmann vor dem Start in die Anlaufspur am Startbalken hängen.

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„Ich bin mit dem Schuh hinten hängen geblieben, habe kurz überlegt, ob die Bindung überhaupt noch drin ist. Aber ich habe trotzdem versucht, voll durchzuziehen und bin schön ins Segeln gekommen“, analysierte Hoffmann, der im Finaldurchgang sogar Bestweite gesprungen ist.

Horngacher hadert mit Anlauf-Verkürzung

Die Jury sah sich daraufhin veranlasst, den Anlauf zu verkürzen – eine Entscheidung, mit der Bundestrainer Stefan Horngacher im Anschluss haderte: „Er ist cool geblieben und hat das durchgezogen. Leider hat die Jury danach mit der Anlaufverkürzung eingegriffen, was aus meiner Sicht nicht unbedingt notwendig war. Der Wind ist eigentlich gleich geblieben und dadurch ist es für Felix schwieriger geworden, sich weiter zu verbessern. Sonst wäre vielleicht das Podest noch drin gewesen“, erklärte der Bundestrainer.

Philipp Raimund ist es in Innsbruck hingegen nicht ganz gelungen, an seine zuletzt so starken Leistungen anzuknüpfen. Mit 126 und 125 Metern belegte der Skispringer aus Oberstdorf diesmal nur den zwölften Platz – sein bislang zweitschlechtestes Ergebnis in diesem Winter.

Wellinger und Geiger wieder ausgeschieden

Neben Hoffmann und Raimund gelang nur Pius Paschke (28.) der Sprung ins Finale. Den beiden Routiniers Andreas Wellinger und Karl Geiger ist es hingegen auch am Bergisel nicht gelungen, zurück zu alter Stärke zu finden – wie schon bei den deutschen Stationen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sind beide erneut ohne Weltcuppunkte geblieben.

Während Karl Geiger (31.) mit 121 Metern im K.o.-Duell gegen Sandro Hauswirth nur ausgeschieden ist, war es bei Wellinger gegen Stefan Kraft (13.) auch aufgrund einer verpatzten Landung eine deutlichere Angelegenheit.

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Zumindest Geiger, zuletzt Ende November im finnischen Ruka in den Punkterängen, sieht sich dennoch auf einem guten Weg: „Ich habe das als Schritt in die richtige Richtung empfunden. Aber klar befinde ich mich noch irgendwo am Anfang“, analysierte der Oberstdorfer im Anschluss.

Keine Pause: Weiter in Bischofshofen

Eine interessante Randnotiz dieser Tage: Materialkontrolleur Mathias Hafele hatte diesmal immerhin im Wettkampf nichts zu beanstanden – das dritte Springen dieser Vierschanzentournee war das erste, bei dem keine Disqualifikation ausgesprochen wurde.

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Ohne Verschnaufpause reisen die Skispringer direkt weiter nach Bischofshofen, wo am Dreikönigstag traditionell das große Finale der Vierschanzentournee stattfindet. Zunächst stehen am Montag ab 14 Uhr das offizielle Training sowie ab 16 Uhr (alles live bei skispringen.com) die Qualifikation auf dem Programm.

Mehr dazu gleich hier bei skispringen.com.

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Über Marco Ries 967 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

6 Kommentare

  1. Hallo DSV jetzt mal ernsthaft wo bleibt eigentlich der Nachwuchs schaut nach Österreich, nach Polen in die USA da kommen junge Talente nach, warum in Deutschland nicht irgendwas stimmt am Nachwuchs Konzept nicht. Hier ist der Chef der Disziplin gefragt. Herr Hüttel ist Chef dazu Werner Schuster Martin Schmitt und die Verantwortlichen Trainer von C- Kader und DC Kader und Trainer von B-Kader 1-2 Talente vom C-Kader müssen oben in der Weltcup Mannschaft anklopfen und mittrainieren nicht bei der Deutschen Meisterschaft mit 5 Lucken mehr beim Wettbewerb teilnehmen. Das ist eine Katastrophe.

  2. a) kommen mir die Punktrichter eh etwas zach vor, gute Notzen zu geben, und b) kommen sie mir auch oft etwas subjektiv bewertend vor. Objektiv sähe manchma,l anders aus. Noch vermeide ich das Wort Nasenpolitik.

  3. Warum bekommt Ren keine Zwanzig? Vorallem beim ersten Sprung, da war nichts zu sehen. Das war im Flug quasi ein Standbild! Oder auch Hartmann im zweiten Flug. Die Landungen waren doch bei beiden Super! Wie können andere die im Flug mehr wackeln genauso gut bewertet werden, verstehe ich überhaupt nicht!

  4. Schön zu sehen, wie sehr sich Ren Nikaido gefreut hat. Ich gönne wirklich jedem den Sieg, so wird es wieder etwas spannender. Alles Gute noch für Felix Hoffmann und Philipp Reimund und auch dem übrigen Team!

  5. Was eine Überraschung! Hatte fest mit dem Grand Slam von Domen Prevc gerechnet,aber manchmal kommt es anders als man denkt.Glückwunsch an Nikaido zum ersten Weltcupsieg, dass freut mich für ihn!

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