Prevc springt hinterher

Anze Lanisek gewinnt im Schnee-Chaos von Zakopane - Pius Paschke wird bester Deutscher

Foto: imago / Newspix

Im dichten Schneefall von Zakopane springt Domen Prevc überraschend deutlich hinterher – stattdessen gewinnt Landsmann Anze Lanisek. Während Andreas Wellinger im Finale zurückfällt, zeigt die Formkurve von Pius Paschke nach oben.

Mit Sprüngen auf 138 und 137 Meter sicherte sich Anze Lanisek den Sieg beim Einzelspringen im polnischen Wisla. Der Slowene erzielte am Sonntagabend auf der „Wielka Krokiew“ insgesamt 278,1 Punkte und setzte sich damit gegen den Österreicher Jan Hörl durch, der auf 144,5 und 135,5 Meter (264,8 P.) kam. Den dritten Platz belegte mit Manuel Fettner (135,5 und 135 m; 262,7 P.) ein weiterer Springer aus Österreich.

Bei extrem dichtem Schneefall im Süden Polens sah es nach dem ersten Durchgang noch nach einem Sieg von Hörl aus, der am Vortag schon mit Teamkollege Stephan Embacher (heute 5.) das Super-Team überlegen gewonnen hatte. Der 27-Jährige führte das Feld zur Halbzeit nach einem phänomenalen Sprung auf die Tagesbestweite von 144,5 Metern an. Im Finale konnte er dann aber nicht mit Lanisek mithalten, kassierte erneut aufgrund einer unsauberen Landung deutliche Punktabzüge.

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Für Lanisek ist es der elfte Weltcuppsieg seiner Karriere und der dritte in diesem Winter. „Ich hatte keine Probleme mit dem Schnee, andere vor mir hatten aber wirklich schlechte Bedingungen und wirklich viel Pech. Meine Sprünge waren aber gut und ich freue mich, nach so vielen Podestplätzen in Zakopane auch endlich gewinnen zu können“, freute sich der 29-Jährige.

Prevc abgeschlagen: Rekord-Podestserie verpasst

Gar nicht nach Plan verlief der Wettkampf für Domen Prevc: Fünf Tage nach seinem Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee stand der Slowene vor dem historischen Rekord, zum 13. Mal in Folge auf dem Podest zu landen und damit mit Janne Ahonen gleichzuziehen. Doch nach Platz zwölf zur Halbzeit fiel der 26-Jährige im Finale mit 113,5 Metern sogar noch auf Position 27 zurück – so schlecht war er zuletzt im März 2025, als er in Lahti nur 28. wurde.

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Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden behält der Überflieger der bisherigen Saison aber weiter, liegt im Gesamtweltcup immer noch mit komfortablen 329 Punkten vor Ryoyu Kobayashi, der auf das Wochenende in Zakopane verzichtet hat.

Paschke bester Deutscher – Geiger droht Olympia-Aus

Dem deutschen Trio ist es in Abwesenheit der angeschlagenen Top-Springer Philipp Raimund (Erkältung) und Felix Hoffmann (Kniebeschwerden) einen Tag nach dem historisch schlechten Ergebnis im Super-Team auch im Einzel nicht gelungen, um die vorderen Platzierungen mitzukämpfen.

Zumindest Pius Paschke verzeichnete mit 130 und 131,5 Metern sowie Platz neun einen Aufwärtstrend. Andreas Wellinger ist nach Platz 16 zur Halbzeit mit 122,5 Metern im Finale noch auf Rang 22 abgerutscht. „Trotzdem waren ein paar positive Dinge dabei“, analysierte der Ruhpoldinger nach dem Wochenende in Polen.

Bitter verlief das einzige Einzelspringen des Wochenendes für Karl Geiger, dem das Aus für die Olympischen Winterspiele droht: Mit Platz 31 hat der Oberstdorfer den Finaldurchgang knapp verpasst – seit Ende November (Ruka-Kuusamo) bleibt er ohne Weltcuppunkte. Nur am kommenden Wochenende in Sapporo hat er noch die Chance, die Olympia-Norm zu erfüllen. „Ich bin tatsächlich ziemlich frustriert. Im Probedurchgang gestern hatte ich ein paar Ansätze dabei, wo ich gedacht habe, dass es in die richtige Richtung geht“, sagte er in der ‚ARD‘.

Stoch scheidet bei letztem „Heimspiel“ aus

Unter den Augen der etwa 30.000 Zuschauer, darunter auch Polens StaatspräsidentKarol Nawrocki, verpasste Kamil Stoch bei seinem letzten Auftritt vor heimischem Publikum den Finaldurchgang. Mit 119,5 Metern kam der polnische Superstar nicht über Rang 42 hinaus. Bereits vor einigen Wochen hatte der 38-Jährige angekündigt, seine Karriere nach der aktuellen Olympia-Saison zu beenden. Bester Pole war an diesem Tag Kacper Tomasiak als Elfter.

Im ersten Durchgang kam es zu einem kuriosen Vorfall um den US-Amerikaner Jason Colby: Er wurde in der Anlaufspur von einem der zahlreichen Laubbläser erwischt und durfte seinen Versuch daraufhin wiederholen. Erfolgreich war dabei aber nicht, er ist mit 118,5 Metern und dem 37. Platz ausgeschieden.

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Am Sonntag startet um 15 Uhr zunächst der Probedurchgang, bevor die Skispringer ab 16 Uhr (alles live bei skispringen.com) dann zum ersten Mal nach der Vierschanzentournee um wertvolle Weltcuppunkte kämpfen.

Mehr dazu gleich hier bei skispringen.com.

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Über Marco Ries 985 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

10 Kommentare

  1. DAS war Wintersport mit allem was dazugehört – schön. Zu Paschke fiel mir beim zweiten Sprung seine Armhaltung auf: Endlich den linken am Körper und entspannte Schulter. Und schon geht es. Wellinger sollte sich Mal anschauen wie tief andere den Ar…haben…dann die Ski näher am Körper und die Sache läuft…

  2. So sehr ich dem Anze den Sieg gönne, es wäre toll, wenn Manuel Fettner heute gewonnen hätte. So ein toller Springer, ohne einen Weltcup Sieg Karriere zu beenden, ist schon bitter.

  3. Auch wenn ich mich für einige Springer wie Hektor Kapustik oder Alex Insam freue, sollte so ein Wettkampf eigentlich nicht gewertet werden. Auch bei einer Outdoor-Sportart hat alles seine Grenzen. Ich hätte es nach dem ersten Durchgang beendet, der war auch nicht ganz fair, aber man wäre nochmal mit einem einigermaßen leistungsgerechten Ergebnis davongekommen. Zum Schluss war es ja teilweise schon gefährlich zu springen. Auch die sinnlose Gatewahl im zweiten Durchgang, auffälligerweise meist zu Gunsten der Norweger, habe ich nicht verstanden

  4. Puh,schwieriger Wettkampf, nicht ganz fair, so wie in Ruka auch. Dennoch freue ich mich total über den 7. Platz von Antti Aalto und dass er auch mal auf der Seite der Glücklichen war. Nach seiner gestrigen Leistung auch nicht völlig unverdient.

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