Zahlreiche Anekdoten

Vierschanzentournee: Kurioses und Wissenswertes aus 69 Jahren

Eine Tournee, zwei Gesamtsieger: Nur eine von vielen kuriosen Geschichten aus der 69-jährigen Vierschanzentournee-Geschichte.

Vor dem Auftakt der 70. Jubiläumsausgabe der Vierschanzentournee wirft skispringen.com einen Blick zurück: In der 69-jährigen Geschichte hat das Skisprung-Highlight zum Jahreswechsel zahlreiche Anekdoten geschrieben.

Finnischer Skispringer betrunken zum Sieg

Finnische Skispringer und der Alkohol – eine lange Geschichte, die schon früh ihren Anfang nahm: 1955/1956 setzte sich Hemmo Silvennoinen über das vom Trainer verordnete Alkoholverbot in der Silvesternacht hinweg. Eigentlich hatte der finnische Cheftrainer den Skispringer für das Neujahrsspringen sperren wollen, doch die Mannschaft machte sich für ihren damaligen Top-Springer stark. Am Ende durfte Silennoinen starten – und gewann das prestigereiche Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

Multifunktionär Bolkart: Monteur, Musiker und Skispringer

Der Oberstdorfer Max Bolkart hatte bei der Tournee 1959/1960 alle Hände voll zu tun. Während des Trainings in seinem Heimatort war der Skispringer damit beschäftigt, die Lautsprecheranlage im Stadion zu montieren. Er legte immer dann sein Werkzeug beiseite, wenn er seine Trainingssprünge zu absolvieren hatte. Im späteren Wettkampf wurde Bolkart immerhin Zweiter. Vor dem Neujahrsspringen fuhr Bolkart dann kurzfristig zurück nach Oberstdorf – um als Mitglied der Stadtkapelle Silvestermusik zu spielen. Trotz weniger Stunden Schlaf stand er auch in Garmisch-Partenkirchen wieder auf dem Podium.

Verrechnet: Falscher Sieger bekannt gegeben

Seit 1964/1965 werden bei der Vierschanzentournee Computer zur Berechnung der Endergebnisse eingesetzt. Trotzdem kam es zu einem Fehler: Beim Neujahrsspringen wurde zunächst der Deutsche Heini Ihle als Sieger bekannt gegeben – eine Stunde später gaben die Organisatoren aber bekannt, dass man sich um einen Zehntelpunkt verrechnet hatte: Neuer Sieger war Erkki Puikka aus Finnland.

Polizei ermittelt gegen norwegische Skispringer

1968/1969 verstrickten sich mehrere norwegische Skispringer im Rahmen des Tournee-Finales in Bischofshofen in eine Schlägerei in einem Nachtlokal. Sogar die Polizei ermittelte zwischenzeitlich – stellte dies nach der Intervention von Funktionären des SC Bischofshofen wieder ein. Es blieb bei einer Ermahnung, derartige Vorfälle in Zukunft zu unterlassen.

Flossenhandschuhe für Schweizer Skisprunglegende

Für Walter Steiner, in seiner Schweizer Heimat bis heute „der Vogelmensch“, wurde zur Tournee 1975/1976 eine besondere Innovation entwickelt: Sein Skihersteller ‚Kneissl‘ produzierte Flossenhandschuhe, die ihm durch die vergrößerte Tragfläche einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen sollten. Damals wäre das kein Verstoß gegen das Regelwerk gewesen – doch die Schweizer Skisprunglegende hat sich geweigert, damit an den Start zu gehen, wie Steiner gegenüber skispringen.com bestätigt hat: „Scheinbar ist es ihnen trotzdem gelungen, damit viel Aufmerksamkeit zu erregen.“

Popstar Falco benennt sich nach Skispringer

Kennen Sie Johann Hölzel? Wahrscheinlich nicht – denn er ist vielmehr als Falco bekannt. Der österreichische Popstar schaute sich das Neujahrsspringen 1977/1978 im Fernsehen an, ihn beeindruckte vor allem DDR-Skispringer Falko Weisspflog, den alle als „Falken“ bezeichnet hatten. Hölzel hatte seinen Namen gefunden und startete wenig später als Popstar durch.

Im zweiten Teil lesen Sie weitere Kuriositäten der neueren Geschichte – über stundenlange Live-Übertragungen ohne Sprung, den betrunkenen Matti Nykänen und einen Stromausfall, der fast den Tournee-Auftakt verhindert hätte. Weiter zu Teil 2:

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Über Marco Ries 768 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

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