Vor dem Saisonstart in Wisla

Fragen & Antworten zum Skispringen in Corona-Zeiten

Foto: GEPA

Der Skisprung-Weltcup beginnt mit einem Team- und einem Einzelspringen im polnischen Wisla. Vorab beantwortet skispringen.com die wichtigsten Fragen rund um den Saisonstart und das Skispringen in Corona-Zeiten.

Das Skispringen steht vor der wohl außergewöhnlichsten Saison der Geschichte. Durch die andauernde Corona-Pandemie haben sich auch die Rahmenbedingungen für die Sportler und die Sportart verändert. Somit sieht sich auch der neue Mann an der Spitze des Sports, Sandro Pertile, neuen Herausforderungen ausgesetzt. Der Italiener, der nach dem Saisonabbruch im Frühjahr Nachfolger von Walter Hofer wurde, hat einen arbeitsreichen Sommer und einen ebenso arbeitsreichen Winter vor sich. skispringen.com beantwortet zum Saisonstart in Wisla die wichtigsten Fragen.

Wer ist Sandro Pertile, der neue FIS-Renndirektor?

Sandro Pertile kommt aus Italien und war selbst bis 1986 im Skispringen und der Nordischen Kombination aktiv. Seit Ende der 1990er-Jahre arbeitet der 51-jährige gelernte Buchhalter als Sportfunktionär. So war er bis zu seiner Ernennung als Nachfolger von Walter Hofer ab 2002 Technischer Delegierter des Internationalen Skiverbandes (FIS), unter anderem bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver. Zwischen 2008 und 2013 fungierte Pertile als Marketingdirektor im Organisationskomitee Val di Fiemme und war somit auch bei der Nordischen Ski-WM 2013 zuständig für TV und Vermarktung. Von 2014 bis 2018 war er beim Italienischen Verband (FISI) Sportdirektor im Bereich Ski Nordisch, ehe er in der vergangenen Saison von seinem Vorgänger an die neue Aufgabe herangeführt wurde. Neben seiner Muttersprache Italienisch spricht Pertile Englisch und Deutsch.

Welche Regeln haben sich geändert?

Angepasst wurden im Materialbereich mit Anzug, Schuhen und Keilen insgesamt drei Dinge. Bei den Anzügen wurde die Schnittnorm leicht modifiziert, sodass fortan ein gerader Schnitt vom Hüftbereich abwärts bis zum Schritt verwendet werden muss. Damit soll vermieden werden, dass die Athleten unerlaubterweise die Anzugoberfläche vergrößern und sich damit in der Luft einen Vorteil verschaffen. Im Bereich der Schuhe und Keile wird nun ein erhöhter Fokus auf die Symmetrie gelegt. Sowohl die Schuhe an sich, als auch die Keile, die sich die Athleten zwischen Ferse und den Schuh stecken, müssen nun symmetrisch geformt sein. Zudem wurde die maximale Dicke der Keile auf 5,5 Zentimeter begrenzt. Diese Maßnahmen sollen vor allem die Landung vereinfachen und sicherer machen. Die FIS erhofft sich dadurch einen Rückgang in der Häufung von schweren Knieverletzungen.

Was ändert sich für die Teams?

Die FIS reagiert auf das globale dynamische Infektionsgeschehen mit einer Anpassung des Wettkampfregelements. Da es nicht auszuschließen ist, dass einzelne Nationen von Reisebeschränkungen betroffen sind, wurde das Minimum an teilnehmenden Nationen für ein Teamspringen von acht auf sechs gesenkt. Wären vor dieser Saison Teamwettkämpfe mit weniger als acht Nationen nicht durchgeführt worden, sind in dieser Saison also lediglich sechs erforderlich.

Im gesamten Saisonverlauf müssen sich alle Athleten, Trainer, Betreuer und Offizielle regelmäßigen PCR-Tests unterziehen, zumindest bis zur Skiflug-WM Mitte Dezember in Planica wird zudem eine „Skisprung-Blase“ gebildet. Reisten die Teams noch eigenständig nach Wisla an, so werden sie ab Montag gemeinsam die Weltcup-Stationen Kuusamo und Nischni Tagil und dann auch Planica ansteuern. Zu diesem Zweck werden Charterflüge organisiert, mit denen ohne Zwischenstopps in die jeweiligen Länder eingereist und eine erforderliche Quarantäne umgangen werden kann. „Es ist die beste Möglichkeit, die für uns größte Herausforderung der Reiserestriktionen zu bewältigen“, begründete Sandro Pertile diese Entscheidung.

Was ändert sich für die Veranstalter?

Ebenso wurde das Meldeverfahren für die Weltcup-Wochenenden angepasst, sodass die Veranstalter spätestens 42 Tage vor der Veranstaltung Rückmeldung erhalten, welche Nationen teilnehmen und welche nicht. Spätestens 30 Tage vor der Veranstaltung teilt dann die FIS nach Absprache mit den Veranstaltern mit, ob der Weltcup stattfindet oder nicht. Dazu müssen mindestens sieben der besten zehn Nationen aus dem Nationencup der vergangenen Saison gemeldet haben. Ob Zuschauer zugelassen werden, entscheiden die Veranstalter nach Absprache mit den lokalen und nationalen Gesundheitsbehörden.

Was ändert sich für die Fans?

Noch ist bei den allermeisten Stationen nicht klar, ob Zuschauer zugelassen werden. Sowohl in Wisla, als auch in Kuusamo, Nischni Tagil und Engelberg werden die Tribünen allerdings leer bleiben. Für die Skiflug-WM in Planica ist die Entscheidung noch nicht gefallen, die Organisatoren arbeiten jedoch an einer außergewöhnlichen Lösung. Für den Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf wurden 2.500 Tickets und damit zehn Prozent des gesamten Fassungsvermögens der Audi Arena verkauft. Auch für die Nordische Ski-WM plant man dort mit Zuschauern, wohingegen das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und auch die Weltcups in Titisee-Neustadt vor leeren Rängen stattfinden werden.

Finden alle Events statt?

Anders als bei den Damen, deren Auftakt in Lillehammer auf unbestimmte Zeit verschoben und der Weltcup in Zao ganz abgesagt wurde, wurden die Herren bislang von Hiobsbotschaften weitestgehend verschont. Einzig Sapporo hat frühzeitig eine Absage ausgesprochen, die wiederum auch die Damen betrifft. „Wir sind jedoch sehr zuversichtlich dort Ersatz zu finden, da bereits einige Verbände an uns herangetreten sind“, bekundete Sandro Pertile. Als einziger Wackelkandidat gilt derzeit die Olympia-Generalprobe in Beijing, so der neue Renndirektor: „Man beobachtet dort sehr kritisch, was in Europa passiert. Bereits jetzt sind die Restriktionen sehr streng, wir mussten zuletzt bei zehn Tagen Aufenthalt acht Corona-Tests absolvieren. Zudem besteht die Gefahr, dass wir bei einem Besuch im Winter eine 14-tägige Quarantäne hinter uns bringen müssten. So ein Szenario schließe ich aus, das lässt sich nicht mit unserem Saisonverlauf vereinbaren.“

Auch interessant: Die WM in Oberstdorf ist das große Highlight der Saison 2020/2021. Trotz Corona-Pandemie halten die Organisatoren an ihren Plänen fest, die Titelkämpfe vor Zuschauern auszutragen – lesen Sie hier, wie das Konzept aussieht.

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Über Luis Holuch 136 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-Weltmeisterschaften 2020 in Oberwiesenthal.

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